Herr Michaeli, Sie haben als Unternehmer viel bewegt. Was empfinden Sie in der Rückschau auf die vergangenen Jahrzehnte?
Martin Michaeli: Ich sehe vor allem: Viele von den Unternehmen, die seinerzeit am Markt aktiv waren, als ich meines gründete, sind heute gar nicht mehr da. 1954 gab es in Frankreich 3.540 Schuhfabriken. Heute sind es 156, davon sind die Hälfte Neugründungen. Und Mephisto gibt es immer noch. Ich habe damals mein in den USA verdientes Geld genommen, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Die Anfänge waren von großer Sparsamkeit geprägt. Heute ist Mephisto in Frankreich mit großem Abstand die Nummer 1. Das Unternehmen auf Platz 2 hat ein Viertel von unserer Größe. Viele Schuhhersteller schreiben heute jedes Jahr Verluste. Doch, ich empfinde schon eine gewisse Genugtuung angesichts der Erfolgsgeschichte von Mephisto. Ich bin aber auch ein Mensch, der immer noch besser werden will.
Wie waren die Anfänge von Mephisto?
Es war schon eine schwierige Zeit: In Sarrebourg hat man mich damals nicht unbedingt gewollt. Ich war 28 Jahre alt, in einem fremden Land und ohne eigene Referenzen. Aber ich habe mich durchgekämpft.
Schildern Sie doch einmal einige Meilensteine aus der Unternehmensgeschichte von Mephisto.
Ein erster Meilenstein war gleich der Beginn. Ich bin damals nicht nach Pirmasens gegangen, in die Schuh-Hochburg. Sondern ich habe alles ins Auto gepackt und bin nach Frankreich gefahren, um dort mein Unternehmen zu gründen. Ich sprach nicht besonders gut Französisch und habe sprichwörtlich an die Türen geklopft, um nach Partnern für meinen Plan zu suchen.
Sicher war auch ein Meilenstein die schon früh getroffene Entscheidung, auf Export zu setzen. Wir haben unsere Schuhe zunächst in Deutschland und Belgien vertrieben, bevor wir auf den französischen Markt gingen. Man darf dabei nicht vergessen, dass Export damals anders funktionierte als heute. Es gab Zollauflagen und zahlreiche weitere Hindernisse – das war kein leichtes Unterfangen. An der Grenze wurden Transporte aufgehalten, um nachzuprüfen, ob wirklich Diesel im Tank war und nicht das preiswertere Heizöl. All diese Dinge haben Unternehmen damals davon abgehalten, ihre Waren zu exportieren. Wir haben es trotzdem gemacht. Ich bin überzeugt: Wer nicht schon vor vielen Jahren eine Exportstrategie entwickelt hat, der hat heute das Nachsehen.
Das vollständige Interview lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 36.