Das erste Halbjahr
Laut Hochrechnungen des BTE hat der stationäre Schuhhandel die ersten sechs Monate des Jahres im Durchschnitt mit einem höheren einstelligen Umsatzplus – Pangels sprach von 8-9% – gegenüber 2022 abgeschlossen. Das Statistische Bundesamt meldet optimistischere Zahlen und hat aufgrund anderer Rechnungsmethoden für die ersten sechs Monate sogar einen Umsatzanstieg in Höhe von 17% ermittelt. „Unsere Zahlen sind nicht so positiv wie die des Statistischen Bundesamtes“, so Pangels.
Um die Zahlen einordnen zu können, empfiehlt sich der Blick zurück: Die ersten vier Monate des vergangenen Jahres waren noch von Corona-Beschränkungen geprägt. Diese haben laut BTE das Geschäft stark behindert. Ende Februar begann dann der Krieg in der Ukraine – mit seinen Auswirkungen auch auf den Konsum. Damit relativieren sich die Zuwachsraten in den ersten vier Monaten des Jahres 2023. Weiterhin liegt der Schuhhandel laut BTE noch immer leicht unter den Umsätzen des Vor-Corona-Jahres 2019. Ein traditioneller Angstgegner des Schuhhandels ist und bleibt das Wetter – auch wenn sich Rolf Pangels wünschen würde, man würde das Thema „jetzt mal abstellen“. Aufgrund der kühlen Witterung im Mai mussten die Händler ein empfindliches Umsatzminus hinnehmen. Im Juni gab es dann bei besserem Wetter wieder ein Plus. Im Juli wiederum kurbelte das teils wechselhafte Wetter die Verkäufe von geschlossener Ware an. Temperaturen jenseits der 30 Grad lähmten im August die Kauflust.
Die Trends
Im Trend lagen im ersten Halbjahr vor allem sportive Modelle, sowohl im Halbschuhbereich als auch im Bereich der offenen Ware. Im Halbschuhsegment liefen insbesondere Sneaker sehr gut. Aber auch die neuen Loafer-Typen in Standardfarben, wie auch in den saisonal modischen Farben Grün und Pink waren gefragt. Im offenen Segment waren Pantoletten die Favoriten. „Alles, was offen war“, lief laut dem BTE-Hauptgeschäftsführer gut. Hinter den Erwartungen zurück blieben indes elegantere Schuhmodelle – „da hatten wir uns mehr erhofft.“ Im Hinblick auf die Order sei ein gewisser Optimismus spürbar. „Trotz allem Negativen sehen wir, dass die Händler mehr Mut haben“, so Pangels. 44% der Händler wollen laut einer aktuellen BTE-Umfrage in gleichem Umfang ordern wie im vergangenen Jahr. 11% der Befragten planen sogar, ihr Ordervolumen aufzustocken. Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt den Handel, wenngleich es beim Gros der Verbraucherinnen und Verbraucher noch keine große Rolle spielt. „Wenn es ums Kaufen geht, werden die Dinge oft anders gewichtet“, erläuterte Pangels die spürbare Sensibilität der Kunden beim Preis. Der Handel informiert sich laut dem BTE-Hauptgeschäftsführer inzwischen sehr intensiv über nachhaltige Materialien und Fertigungen, vor allem das Thema ’Made in Europe‘ stehe dabei im Mittelpunkt.
Die Herausforderungen
Trotz des nominalen Umsatzzuwachses befindet sich der stationäre Schuhfachhandel laut dem BTE weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Aufgrund der seit Frühjahr 2022 hohen Inflation lägen die meisten Geschäfte preisbereinigt nur knapp im Plus oder sogar im Minus. Zudem kämpfen viele Unternehmen mit hohen Kostensteigerungen etwa im Bereich der Personalkosten oder der Mieten. Die 2022 stark gestiegenen Energiekosten seien zwar zuletzt merklich gefallen, lägen aber meist immer noch über den Werten von 2021.
Erfreulich ist laut Pangels, dass der stationäre Schuhhandel im ersten Halbjahr erneut Marktanteile zurückgewinnen konnte. So entfiel nach ersten Hochrechnungen des Verbandes knapp zwei Drittel der getätigten Umsätze in Deutschland auf die ’Brick & Mortar‘-Läden – bei einem Marktvolumen von 5,9 Mrd. Euro. Der Onlinehandel, der in den Hochzeiten der Pandemie weit über die Hälfte der Umsätze eroberte, kommt aktuell auf einen Anteil von 18%. Das helfe dem stationären Schuhhandel, so Pangels. Auf andere Betriebsformen wie Waren- und Modehäuser entfällt ein Anteil von 17% am Gesamtumsatz mit Schuhen. Der stationäre Schuhhandel benötige aber Unterstützung und ein optimales Umfeld, um weiter wachsen zu können: „Es braucht bessere Rahmenbedingungen in den Innenstädten“, so Pangels. Das umfasse nicht zuletzt auch den ÖPNV, Sicherheit und Sauberkeit.
Trotz der aktuellen Herausforderungen und Belastungen, zu denen auch branchenübergreifende Herausforderungen wie überbordende Bürokratie, Fachkräftemangel oder die Innenstadtentwicklung zählen, ist der Schuhhandel laut BTE verhalten optimistisch in die Orderrunde für Frühjahr/Sommer 2024 gegangen. Die Unternehmen seien sich bewusst, dass die Geschäftspartner aus Handel und Industrie künftig noch stärker an einem Strang ziehen müssen. Zwingend benötige der Schuhhandel zukunftsweisende Konzepte, so Pangels. Das umfasse neben einem spannenden Sortiment auch eine Multichannel-Strategie sowie umfassenden Service.
Der Ausblick
Wie werden die kommenden Monate? Wie wird der Herbst? Laut Rolf Pangels „weiter herausfordernd“. Die Marktbereinigung im Schuhhandel werde wahrscheinlich weitergehen, ist der BTE-Hauptgeschäftsführer überzeugt. Das könne aber auch Vorteile bieten: „Für die, die übrig bleiben, ist mehr da.“ Positiv nehme er wahr, dass der Schuhhandel sehr aktiv sei und Händler die Stimme erheben, um beispielsweise mit Initiativen wie #schuhhandelhatzukunft auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Der Austausch aller Branchenmitglieder sei in jedem Fall wichtig.