Am 30. September ist endgültig Schluss. Dann soll das Unternehmen Shoes Fifty-6 aus Saarbrücken liquidiert werden. Die Inhaber und Geschäftsführer Max und Romy Schoenberg haben sich nach 35 Jahren zu diesem Schritt entschlossen, weil er, wie Max Schoenberg im Gespräch mit schuhkurier erklärt, „absolut notwendig“ sei. Wichtig sei ihm und seiner Frau der „selbstbestimmte Ausstieg“, ein sauberes, geregeltes Ende des Unternehmens, ohne ausstehende Verpflichtungen gegenüber Geschäftspartnern oder Mitarbeitern. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und im Vorfeld viele Überlegungen angestellt. Nun sei das Ende für das Familienunternehmen besiegelt.
Während der zurückliegenden 18 Monate habe man den Schritt gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorbereitet, so Schoenberg weiter. Zuletzt habe man mit dem Start der Orderrunde keine Einkäufe mehr getätigt; die Lieferanten seien in Einzelgesprächen informiert worden. „Mit vielen dieser Unternehmen arbeiten wir seit 20, 30 Jahren zusammen“, so Schoenberg. Es sei daher wichtig, die langjährigen Partner über die nun geplanten Schritte persönlich in Kenntnis zu setzen. Ursprünglich habe man erst Anfang August in die weitere Kommunikation gehen wollen; es sei jedoch zu Gerüchten in der Branche gekommen, denen man nun durch entsprechende Mailings und Gespräche einen Riegel vorschieben wolle, so Schoenberg.
35 Jahre in Saarbrücken
Am 28. Januar 1984 hatte Romy Schoenberg gemeinsam mit Business-Partner Franz Tinnacher in Saarbrücken eine Modeboutique mit Schuhsortiment eröffnet. 1997 folgte der erste gemeinsame Laden mit ihrem Ehemann Max Schoenberg, ‘der kleine Laden um die Ecke‘. Zwei Jahre später eröffneten die Unternehmer eine Filiale im Einkaufscenter in Neunkirchen; 2000 kam ein reines Herrenschuhgeschäft hinzu. Neben einem Young Fashion Geschäft wurde auch ein Herrenmodeladen sowie mit Fashion Fifty-6 ein Modegeschäft mit Marken aus Italien, Spanien und Skandinavien eröffnet.
2009 wurde Shoes Fifty-6 mit dem schuhkurier Award als bester Schuhhändler des Jahres ausgezeichnet.
Vielschichtige Marktveränderungen
In den zurückliegenden Jahren reduzierten sich die Filialen des Unternehmens aus Saarbrücken. Ein 2014 eröffnetes Herrenmodegeschäft wurde drei Jahre später wieder geschlossen. Das HAKA-Geschäft sei sehr komplex, zudem kauften immer mehr Männer nun noch zu reduzierten Preisen. „Die Kunden verändern sich immer mehr. Dazu tragen Aktionen wie der Black Friday massiv bei“, sagte Max Schoenberg seinerzeit im Gespräch mit schuhkurier.
Nach zehn Jahren wurden auch die Modegeschäfte für Damen geschlossen. Die Unternehmer machten Frequenzprobleme in den Innenstädten, das veränderte Einkaufsverhalten der Kunden sowie ein generell rückläufiges Interesse an Mode für die notwendige Schließung verantwortlich. Zudem seien Verhandlungen mit dem Vermieter über eine Anpassung der Mietbelastung gescheitert. Romy Schoenberg betonte damals: „Die Menschen bekommen die Stadt, die sie verdienen. Am Ende wird es eine Wüste sein.“ Zuletzt betrieb Shoes Fifty-6 noch vier Schuhgeschäfte in Saarbrücken.
Im März dieses Jahres starb der Mitbegründer von Fifty-6, Franz Tinnacher, im Alter von 85 Jahren. „Wir haben tolle Zeiten erlebt. Es war eine außergewöhnliche und einzigartige Partnerschaft“, erklärte die Unternehmerin Romy Schoenberg dazu im Gespräch mit schuhkurier.
Romy und Max Schoenberg wollen sich zunächst ins Privatleben zurückziehen und reisen. Eine Verbindung zur Branche soll aber bestehen bleiben, etwa über eine beratende Tätigkeit im Bereich Mode und Trends.