Die Kundin hatte eigentlich keinen großen Einkauf im Sinn. Sie wollte nur mal schauen und sich ein Bild von der neuen Damenwelt bei Leffers in Oldenburg machen. Nach kurzer Zeit fand sie doch ein Kleidungsstück, das ihr gefiel. Die Verkäuferin bot einen Gürtel dazu an, außerdem ein passendes Tuch. Und dann war die Damenschuhabteilung im 3. Obergeschoss erreicht und es gab kein Halten mehr. Mit sieben Teilen ging die Dame schließlich glücklich nach Hause. Und es ist anzunehmen, dass das Verkaufsteam bei Leffers nicht minder glücklich war. So habe es sich vor Kurzem zugetragen, schwärmt Marcus Schönhart, ehemaliges Katag-Vorstandsmitglied und seit Kurzem Geschäftsführender Gesellschafter beim Traditions-Modeunternehmen Leffers. Seit die neue Damenschuh-Welt Anfang März eröffnet wurde, habe sich die Verweildauer nochmals signifikant erhöht; auch gebe es Bons mit deutlich mehr Umsatz. Und keineswegs nehme nur die Zahl der weiblichen Kunden zu.
Da hat also einer offensichtlich alles richtig gemacht: das Kinderangebot aufgegeben, um mehr Platz für Damenschuhe, Taschen und Accessoires zu schaffen. Ein Schuh-Sortiment aus konsumigen bis gehobenen Marken zusammengestellt, dessen Schwerpunkt – übrigens auch bei Komfort-Fabrikaten – klar auf einer modischen Optik liegt. Und ein Ambiente geschaffen, das keine endlos langen Regalreihen umfasst, sondern wie eine Erlebniswelt wirkt, in der es viel Neues zu entdecken gibt. Die Kundinnen goutieren das neue Angebot. Das allgemein überaus positive Feedback seit Eröffnung am 3. März ist für die Leffers-Geschäftsführung besonders vor dem Hintergrund einer anfänglichen Skepsis ermutigend, die man in der Planungsphase wahrgenommen hat. Sowohl Händler als auch einige potenzielle Lieferanten äußerten sich zurückhaltend, als das alteingesessene Modehaus in der ehemaligen Residenzstadt ankündigte, eine Damenschuhabteilung mit moderner Anmutung aufbauen zu wollen. Man habe es dem Team von Leffers vielleicht nicht zugetraut, sinniert der Geschäftsführende Gesellschafter Ulrich Mann, der das Unternehmen in vierter Generation führt. Aber inzwischen sei der Beweis erbracht, dass ein Modehaus sehr wohl erfolgreich Schuhe verkaufen kann.
Was da in Oldenburg passiert, findet derzeit an zahlreichen weiteren Standorten in Deutschland statt. Modehändler schaffen Platz für Schuhe und komplettieren so ihr Angebot. Das sorgt für Unruhe. Das ist Strukturwandel in Echtzeit. Marktveränderung, wie es sie immer schon gegeben hat. Und das muss und wird nicht bedeuten, dass der umliegende Schuhhandel künftig keine Schuhe mehr verkaufen wird. Es ist im Gegenteil wahrscheinlich, dass beides nebeneinander funktioniert und sich sogar befruchtet. Voraussetzung dafür ist, dass alle Beteiligten nicht permanent auf den Mitbewerber schauen, sondern sich auf ihre individuellen Stärken, ihr Angebot und ihren Service konzentrieren.