Welche Erwartung haben Sie an die neuen Kollektionen?
Friedrich Werdich: Wir brauchen mehr Mut und mehr Innovationen! Insbesondere in Bezug auf Farben kann man gerade im Frühjahr etwas mutiger sein. Darüber hinaus brauchen wir aber auch echte Innovationen. Der 500. dicke Boden wird niemanden mehr überzeugen. Wenn wir unsere Kunden locken wollen, sind attraktive, neue Kollektionen gefragt.
Die Ordertermine sind weit nach vorne gerückt. Haben sich die frühen Termine nun etabliert?
Friedrich Werdich: Keineswegs, wir müssen unbedingt wieder näher an den Markt. Aktuell ordern wir bereits im Juli, dabei hat der Sommer dann erst seinen Höhepunkt erreicht. Es wäre uns sehr geholfen, wenn wir Sandalen ab dem 1. September ordern könnten, denn jede weitere Woche bringt uns neue Erkenntnisse und ein besseres Gespür für die Lagersituation.
Welches Nachordervolumen streben Sie an?
Friedrich Werdich: Üblicherweise halten wir 20% unseres Limits frei, um skalieren zu können. Während der Corona-Zeit war das nicht möglich, alle Marktteilnehmer haben ihr Lager klein gehalten. Doch nun müssen wir wieder näher am Markt agieren und kurzfristige Tendenzen in Bezug auf Mode und Menge adaptieren können. Außerdem brauchen wir schlicht und einfach frische Warenbilder: Wenn eine Kundin zwei, drei Mal in der Saison zu uns kommt, muss sie auch etwas Neues sehen.
Das Thema Kalkulation wird heiß diskutiert. Welche Überlegungen haben Sie dazu?
Friedrich Werdich: Wenn wir vernünftige Löhne zahlen wollen, brauchen wir einen höheren Rohertrag. Denn die Kostensteigerungen, die wir derzeit schultern, sind immens. Ich bin nicht sicher, ob die Dringlichkeit dieses Themas bei der Industrie angekommen ist.
Wäre ein Verzicht auf die unverbindliche Preisempfehlung eine sinnvolle Maßnahme?
Friedrich Werdich: Eine Abschaffung der UVP kann ich nur befürworten. Alle Teilnehmer im Markt müssen natürlich aufpassen, dass wir in der Wahrnehmung der Kunden preiswürdig bleiben und unsere Leistung stimmt. Zudem ist es essenziell, gewisse Eckpreislagen zu halten und unsere Serviceleistungen zu steigern. Unser Angebot an die Kunden muss „ehrlich“ bleiben.