„Deutlich preissensibler“
Horst Mengedoht, Schuhhändler aus dem westfälischen Lemgo, nimmt eine deutliche Veränderung im Stimmungsbild der Verbraucherinnen und Verbraucher wahr: „Viele Menschen sind derzeit negativ eingestellt. Zu uns kommen Kunden, die mir sagen, dass sie die Tagesschau gar nicht mehr schauen möchten. Was die Nachfrage angeht, so sind wir froh, dass wir die Trendthemen anbieten, die derzeit sehr gewünscht sind. Andererseits sind die Kunden deutlich preissensibler geworden.“ Die Vorsicht der Verbraucherinnen und Verbraucher wirkt sich auf das Verhalten der Händler aus. Petra Fasold, Einkaufsexpertin der ANWR, nimmt eine gewisse Zurückhaltung wahr: „Viele Händler sagen derzeit: Wir schauen uns erstmal alles an und überlegen dann in Ruhe.“ Das bestätigt auch Christiane Schroer vom Schuhhaus Schämann in Haltern am See: „Man passt bei der Order mehr auf. Die Industrie kann nicht von uns erwarten, dass wir 90% Vororders platzieren. Ich habe keine Lust, mich unter Druck setzen zu lassen.“
Michael Rosenbaum vom Schuhgarten Rosenbaum in Jülich will auch mengenmäßig auf Nummer sicher gehen: „Wir ordern insgesamt verhaltener. 10 bis 15% weniger dürften es schon sein.“ Jens Große-Kreul und Svenja Glathe vom Schuhhaus Große-Kreul in Gladbeck sehen die Entwicklungen der Kalkulationen kritisch: „Je hochwertiger ein Sortiment, je weniger Mainstream, desto besser laufen die Geschäfte. Kundinnen und Kunden dieses Segments müssen sich um die Höhe der nächsten Nebenkostenabrechnung keine Gedanken machen. Entsprechend gibt es hier kaum negative Auswirkungen auf das Konsumverhalten“, sagt Svenja Glathe. „Mit Blick auf unseren Einkauf machen wir uns allerdings schon Sorgen“, so Jens Große-Kreul. „Alles wird teurer, aber dass dadurch auch unsere Kalkulation besser werden sollte, daran denkt keiner.“
Und die Industrie? Auch hier gibt es Herausforderungen zu bewältigen. Randolf Friedel von Living Kitzbühel zeigt sich besorgt: „Wir nehmen die Stimmung als nicht sehr positiv wahr. Die zurückliegenden sechs Wochen liefen im Handel nur mäßig. Zugleich kommt aktuell Ware in den Häusern an. Dadurch halten sich die Händler derzeit eher zurück. Hinzu kommt: Die Verbraucherstimmung ist im Keller. Ich habe das Gefühl, viele Händler wissen derzeit nicht, wie es weiter geht. Und dann hört man aus dem Handel Sätze wie: „Wer nicht pünktlich liefert, den stornieren wir.“
Sylvia Klemens, beim Komfortschuhhersteller Waldläufer für Kollektion und Vertrieb verantwortlich, hat an vielen Stellschrauben gedreht, um die derzeitige Situation im besten Sinne zu meistern: „Wir haben intern vieles umstrukturiert, um der aktuellen Situation gerecht zu werden. Diese ist sehr herausfordernd. Je früher geordert wird, desto besser – das kann ich jedem Händler nur empfehlen. Und wichtig ist auch, Aufträge schnell ins System einzuspielen, damit wir mit unseren Produktionsstätten planen können, denn wir fertigen auftragsbezogen.“ Zugleich blickt Klemens zuversichtlich auf die kommenden Monate: „Zu H/W werden wir mit einem Bestseller-Programm zu einem frühen Zeitpunkt an den Start gehen. Davon versprechen wir uns sehr viel. Der Handel signalisiert uns: Wenn unsere Schuhe auf der Fläche sind, drehen sie sich sofort. Unsere Schuhe laufen.“
Ist das Glas nun halb leer – oder doch halb voll? Schuhhändler Peter Bödeker aus Speyer hat dazu eine klare Meinung: „Wir können uns doch nicht immer nur negative Gedanken machen. Wir müssen vielmehr das Beste aus der Situation machen. Das Wetter ist schön – der Rest wird sich ergeben.“Das begeistert mich immer wieder.“