Die Mitglieder wollen durch gemeinschaftliche Angebote und Aktionen einen Kontrapunkt gegen den Identitätsverlust der Stadt setzen. “Wir möchten den inhabergeführten Traditionshäusern eine Stimme geben, um sie mehr ins Bewusstsein der Kunden zu rücken und zu zeigen, wie vielfältig und einzigartig die Stuttgarter City ist”, sagt die Stuttgarter City-Managerin Bettina Fuchs von City-Initiative Stuttgart e.V., unter deren Federführung die Initiative ins Leben gerufen wurde.
Zum Verbund der “Stuttgarter Traditionsgeschäfte” gehören derzeit die Unternehmen Lederwaren Acker, Feinkost Böhm, Hochland Kaffee, Kästner, Wäschegeschäft Maute-Benger, Mußler Beauty, Korbmayer, Spielwaren Kurtz, Tritschler und die Buchhandlung Wittwer. Dabei handelt es sich durchweg um Unternehmen, die mit ihren Ladengeschäften über Generationen hinweg die Identität der Stadt mitgeprägt haben.
Der Zeitpunkt für den Start ist bewusst gewählt. Vor kurzem eröffneten in Stuttgart die beiden neuen Shopping-Zentren Gerber (rund 25.000 qm Verkaufsfläche ) und Milaneo (rund 43.000 qm). Diese Flächenexpansion versteht die Initiative als “gute Ausgangslage” um Alternativen zum Mainstream der neuen Einkaufsmeilen anzubieten. Der Sprecher der Gemeinschaft Mattias Mußler ergänzt: “Es geht uns nicht nur um Synergien im Marketing und bei der Öffentlichkeitsarbeit, sondern um das klare Bekenntnis zu Werten, die sich maßgeblich von denen der Großfilialisten unterscheiden. Es sind Werte, die uns miteinander, mit Stuttgart und mit unseren Kunden verbinden.” In den gemeinsam formulierten Leitsätzen wird der Wertschätzung und Ausbildung der Mitarbeiter ein ebenso hoher Stellenwert zugeschrieben wie der besonderen Zusammenstellung des Angebots und der individuellen Beratung.
Stuttgarter Traditionsgeschäfte: „Kein Jammer-Zusammenschluss“
Christoph Achenbach, Geschäftsführer von Lederwaren Acker, verspricht sich ebenso mehr Aufmerksamkeit und ein besseres Bild des stationären Einzelhandels in der Öffentlichkeit. Im Zusammenhang mit Firmenaufgaben und Insolvenzen werde in der Presse über den Einzelhandel meist nur negativ berichtet. Die “Stuttgarter Traditionsgeschäfte” wenden sich daher auch gegen eine ausschließlich “rückwärtsgewandte Berichterstattung”. Achenbach: “Wir sind kein Jammer-Zusammenschluss. Wir haben unsere Daseinsberechtigung, und es geht uns gut”.
Die “Stuttgarter Traditionsgeschäfte wollen nach Möglichkeit lokale Anbieter zu fördern. In diesem Zuge werden die gemeinsamen Kommunikationsmittel nach Möglichkeit von Stuttgarter Unternehmen produziert. Doch der Händlergemeinschaft geht es um mehr als ideelle Gemeinsamkeiten. Im Mittelpunkt der kollektiven Maßnahmen und Aktionen soll immer der konkrete Kundennutzen stehen. Geplant sind Kooperationen, gemeinsame Publikationen und Veranstaltungen, bei denen die Kunden informiert und sensibilisiert werden, vor allem aber von Mehrwerten profitieren. Als wiedererkennbares Symbol hat die Gemeinschaft den Hirsch gewählt, der auch die Kuppel des Württembergischen Kunstvereins am Stuttgarter Schlossplatz ziert und von vielen als Wahrzeichen für die Stuttgarter Innenstadt wahrgenommen wird. “Schließlich sehen wir uns mit einem Augenzwinkern als Platzhirsche. Für diese Position wollen wir in Zukunft gemeinsam etwas tun – nicht nur um erfolgreich zu bleiben, sondern auch für die City von Stuttgart,” so der Sprecher der “Stuttgarter Traditionsgeschäfte”.