Der Gesamtverband Textil+Mode hat gemeinsam mit führenden Branchenverbänden eine bundesweite Erhebung zum Umgang mit textilähnlichen Abfällen gestartet. Im Fokus steht die gesamte Wertschöpfungskette – von der Herstellung über Handel und Reinigung bis zur Entsorgung. „Diese Initiative ist ein Meilenstein. Zum ersten Mal wollen wir belastbare Daten in der ganzen Breite der Branche sammeln, um zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft zu gestalten“, sagt Hauptgeschäftsführer Uwe Mazura.
Die Umfrage richtet sich an alle Akteure, die textilähnliche Abfälle erzeugen oder damit arbeiten – von Produzenten über Textildienstleister bis zum Handel. Unterstützt wird das Projekt von den Mitgliedsverbänden des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie sowie weiteren Branchennetzwerken.
Ziel ist es, die bislang kaum dokumentierten Stoffströme – von unverkaufter Neuware bis zu Produktionsresten – sichtbar zu machen. Besonders relevant: der Blick auf Abfallexporte. „Viele Alttextilien landen im Ausland – und damit auch potenzielle Rohstoffe. Ohne Überblick über das, was bei uns bleibt, ist echtes Recycling in Europa reine Theorie“, so Jonas Stracke, Leiter Kreislaufwirtschaft beim Gesamtverband Textil+Mode.
Die gewonnenen Daten sollen mithilfe künstlicher Intelligenz und wissenschaftlicher Methoden ausgewertet werden. Ziel ist die Entwicklung konkreter Szenarien für Wiederverwendung, Recycling und innovative Verwertungsansätze. „Textilströme sind heute oft unsichtbar. Mithilfe digitaler Tools und KI wollen wir erkennen, wo künftig tatsächlich nutzbare Ressourcen vorhanden sind – und wie wir sie im Kreislauf halten können“, erklärt Stracke.
Vor dem Hintergrund geplanter gesetzlicher Änderungen – etwa das Vernichtungsverbot aus der EU-Ökodesign-Verordnung oder eine Reform des Abfallrechts – liefert die Umfrage eine wichtige Datengrundlage für Politik und Wirtschaft. Die Ergebnisse sollen helfen, praxistaugliche, wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu gestalten.
Die Umfrage läuft laut dem Verband bis in den August. Im Herbst sollen die Ergebnisse bekannt gegeben werden.