Die vom Bundesumweltministerium vorgelegten Eckpunkte zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) stoßen in der Textil- und Modeindustrie auf massiven Widerstand. Der Gesamtverband spricht von einem unausgereiften Konzept, das zentrale Probleme nicht adressiere und stattdessen vor allem mittelständische Unternehmen belaste.
„Was hier als Textilgesetz verkauft wird, ist ein großer Bluff zu Lasten des Mittelstands und der Verbraucher. Es handelt sich nicht im Ansatz um ein Anti-Fast Fashion Gesetz. Die eigentlichen Ursachen der Probleme – wie etwa ungebremste Ultra-Fast-Fashion aus dem Ausland – werden nicht im Ansatz adressiert“, erklärt Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.
Kritisch sieht die Branche insbesondere, dass deutsche Hersteller künftig auch für Alttextilien aufkommen sollen, die durch importierte Billigware entstehen. „Wir riskieren, dass solide Mittelständler die Alttextilien der globalen Billigplattformen mitfinanzieren müssen. Das ist schlicht unfair und geschäftsschädigend in einer Wirtschaftskrise, in der deutsche Textilhersteller und Modemarken extrem unter Druck stehen und um ihre Existenz kämpfen.“
Zudem bemängelt der Verband, dass die Industrie im geplanten System kaum Mitspracherechte erhält. „Unsere Unternehmen investieren seit Jahren in Langlebigkeit, Qualität und nachhaltige Materialien. Diese Anstrengungen werden vollständig ignoriert. Das Konzept sieht nur vor, dass wir zahlen – aber nicht mitgestalten können.“
Auch die fehlende Kostentransparenz sorgt für Kritik. Wie hoch die finanziellen Belastungen tatsächlich ausfallen, bleibt offen. „Ein Gesetz, das Milliarden kosten kann, ohne die Kosten zu beziffern, wäre in jedem anderen Politikbereich undenkbar. Von der Wirtschaft zu verlangen, einfach zu zahlen, ohne jede Berechnungsgrundlage, ist verantwortungslos“, so Mazura.
Darüber hinaus warnt der Verband vor zusätzlicher Bürokratie und ineffizienten Strukturen. „Das Konzept erschafft eine Verwaltungsmatrix, die niemand mehr durchschaut und enorme Kosten verursacht. Für den Klimaschutz bringt das nichts – für die Bürokratie sehr viel.“
Auch für bestehende Sammelsysteme sieht die Branche keine Verbesserungen. Statt struktureller Reformen werde ein ineffizientes System fortgeführt und durch Hersteller finanziert. „Das bestehende, ineffiziente System wird konserviert und nun auch noch von den Herstellern subventioniert. Das ist das Gegenteil von Kreislaufwirtschaft.“
Am Ende könnten die Kosten auch bei den Verbrauchern landen. „Am Ende zahlen die Verbraucherinnen und Verbraucher für die Fehler globaler Ultra-Fast-Fashion-Konzerne mit – und die Müllberge in Ghana oder der Atacama Wüste werden trotzdem nicht kleiner. Dieses Eckpunktepapier löst kein einziges reales Problem.“
Der Verband fordert daher Nachbesserungen und bietet weiterhin Dialogbereitschaft an. „Wir laden Umweltminister Schneider ein, seine Eckpunkte auf der Basis eines ernsthaften Dialoges zu überarbeiten. Wir stehen bereit, unseren Beitrag zu leisten. Aber wir lassen uns nicht auf die Rolle einer reinen Zahlstelle reduzieren.“