Die Ehe kriselt, die Kinder haben Probleme in der Schule, das Konto schreibt schon lange nur noch rote Zahlen – private Krisen gehören zum Leben dazu, ein jeder hat mit den Konsequenzen der problematischen Umstände zu kämpfen und die moderne Leistungsgesellschaft fordert auch in schwierigen Lebenslagen vollen Einsatz. So hart es an dieser Stelle auch klingen mag: Man muss nach einer gewissen, maßvollen Erholungsphase wieder Funktionieren und seinen beruflichen Pflichten nachkommen können. Und das fällt nicht immer leicht, fordert psychische Stärke, obwohl die emotionalen Ressourcen schon längst erschöpft scheinen. Doch wie geht man mit seinen Lebenskrisen am Arbeitsplatz um? Man verbringt in einem ganz normalen Vollzeit-Beschäftigungsverhältnis durchschnittlich acht Stunden täglich auf der Arbeit, kommt morgens in das Geschäft und verlässt es erst abends wieder. Soll man in Anbetracht des täglichen Arbeitspensums die Kollegin zur besten Freundin ernennen und sie in die privaten Probleme einweihen? Wie viel darf man von sich preisgeben und wie geht man mit der Situation um, wenn das berufliche Umfeld private Aussprachen nicht zulässt?
I love shoes hat sich mit dem Thema befasst und die wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse auf den Punkt gebracht.
Die Auswirkungen privater Probleme
Wer unter akuten Krisensituationen im Privatleben leidet, hat oft auch mit äußerlich wahrnehmbaren Folgen zu kämpfen. Gewichtsabnahmen durch die emotionale Dauerbelastung, eine immer wieder schwindende Konzentration und das Abdriften der Gedanken in weit entlegene Sphären oder Einschränkungen der physischen Leistungsfähigkeit, die aus den psychischen Problemen hervorgehen, sind die charakteristischen Begleiterscheinungen privater Sorgen. Wer mit der Scheidung einer jahrzehntelangen Ehe oder gar einem Trauerfall zu kämpfen hat, sollte sich eine Pause gönnen – diese steht Ihnen zu und wird ausdrücklich empfohlen. Ein offenes Gespräch mit dem Chef ist an dieser Stelle ratsam. In fast keinem Fall werden derartige Krisen auf Unverständnis stoßen.
Anders sieht es jedoch aus bei nicht existenziellen Problemen wie familiären Streitigkeiten oder überzogenen Konten. Was für die Außenwelt ’klein‘ erscheint, kann jedoch für den Betroffenen große emotionale Folgen haben – doch das muss nicht immer auf Verständnis stoßen. Wer sich hängen lässt, nicht mehr pünktlich zur Arbeit erscheint und seinen Aufgaben nur noch inkonsequent nachkommt, braucht dafür eine gute Erklärung und diese liegt für den Außenstehenden oftmals nicht in dem Streit mit der Tochter über ihren Wunsch sich die Arme tätowieren zu lassen oder in der Krise mit dem Ehemann, der zu viel Zeit beim Golfen verbringt. Solche Probleme haben am Arbeitsplatz keine Priorität – sie müssen für die Dauer des Arbeitstages von der gedanklichen Bildfläche verschwinden.
Private Probleme: Sport, gesundes Essen und das gedankliche Stopp-Schild
Sport, frische Luft und gesunde Ernährung – die Allheilmittel der modernen Leistungsgesellschaft. Und siehe da: Die drei Klassiker helfen, wie kann es anders sein, auch gegen akute emotionale Belastungszustände. Der Grund dafür ist simpel, denn wenn Sie sich auf körperlicher Ebene gut fühlen, ihren Körper gut behandeln und auf sich achten, wird es Ihnen Ihre Seele danken. Mehr Ausgeglichenheit und eine positive Selbstwahrnehmung tragen zur baldigen Genesung bei.
Einige Tipps für den Arbeitsalltag:
- Packen Sie sich ihr Lieblingsgericht für die Arbeit ein – ein gutes Essen statt der Currywurst von nebenan kann ein kleines Wunder bewirken
- Nutzen Sie die Mittagspause für Ablenkungen – diese können in Form eines guten Gesprächs mit der Kollegin eintreten oder mit einem kleinen Spaziergang durch den angrenzenden Stadtpark. Fokussieren Sie sich auf die Welt, nehmen Sie die Besonderheiten wie das strahlende Blumenbeet oder das Lachen der Kinder auf dem Spielplatz bewusst wahr. Sie sind Teil dieser bunten, lebensfrohen Welt und schon bald kommen die Farben auch zurück in Ihr Leben.
- Wenn Sie den ersten Schock überwunden haben und die Verarbeitung in Gang kommt, helfen bewusst fixierte Zeitfenster dabei unerwünschte Gedanken los zu werden. Nehmen Sie sich beispielsweise jeden Abend eine halbe Stunde Zeit, um Ihre Situation zu reflektieren. Was ist vorgefallen? In welcher Phase stehen Sie aktuell ganz konkret? Welche Lösungen/Besserungsoptionen bieten sich an? Versuchen Sie positiv zu bleiben – aus jeder Krise geht man als gestärkter Mensch hervor, feilt an seinem eigenen Umgang mit dem Leben und lernt gute Zeiten wieder mehr zu schätzen.
- Außerhalb der definierten ’Denk-Zeit‘ installieren Sie ein mentales Stopp-Schild. Immer wenn Gedanken in unpassenden Momenten aufkeimen, beispielsweise im Verkaufsgespräch mit dem Kunden, stellen Sie sich das Schild vor. Klingt im ersten Moment sinnlos – hilft aber wirklich. Sie müssen wissen, dass Sie in der aktuellen Situation keine neuen Denkansätze finden werden, es wird sich nichts durch den Zeitpunkt des Nachdenkens ändern. Werden Sie doch von Ihren Emotionen während der Arbeitszeit übermannt, hilft es das Setting sofort zu verändern. Gehen Sie vor die Tür, machen Sie sich einen Tee und gönnen Sie sich einige Minuten um wieder Fuß zu fassen. Ein Trost: Dieser tief aufgewühlte Schockzustand hält meist nicht lange an. Menschen lernen mit Situationen umzugehen und die innere Balance stellt sich im Laufe der Zeit wieder ein, wird stabiler und hilft Ihnen mit einem erweiterten Horizont und einem großen Lerneffekt sogar für ihr zukünftiges Leben.
- Denken Sie positiv. Ein Geheimrezept emotional stabiler Menschen ist ganz offenkundig ihre Einstellung zum Leben und ihr Krisenmanagement. Über eine Sache sollten Sie sich im Klaren sein: Nur weil die Kollegin immer gut gelaunt und strahlend wirkt, heißt das noch lange nicht, dass sie keinerlei Privatprobleme und Lasten mit sich trägt, denn ein Leben ohne Probleme gibt es ganz schlicht nicht. Verkehren Sie die Fragen ’Warum ich? Wieso bestraft mich das Schicksal bloß so?‘ bewusst in Positiv-Aussagen: Ich habe diese Krise. Ich werde sie meistern. Und letzten Endes werde ich wieder glücklich sein. Schon der Dalai Lama sagte einst, dass schwierige Zeiten für Entschlossenheit und innere Stärke sorgen – und da ist was Wahres dran.
Was sind die positiven Folgen von Krisen?
Zuletzt soll dem Zitat des Dalai Lamas auf den Grund gegangen werden, denn in Zeiten der Hoffnungslosigkeit und des seelischen Schmerzes haben Sie das Mantra sicherlich auch schon vergessen. Krisen gehören zu jedem Lebensweg dazu – mal sind sie größer, mal sind sie kleiner, aber vorhanden sind sie immer.
- Die Frage nach dem Warum ist häufig die quälendste von allen und dabei auch die, die niemals beantwortet werden kann. Ein wichtiger Aspekt sind aber die positiven Folgen der emotionalen Ausnahmezustände:
- Menschen gewinnen durch die Bewältigung von Krisen mehr Selbstvertrauen, sehen die Welt oftmals viel gelassener und optimieren ihre Lösungsstrategien
- Man nimmt Beziehungen zu Freunden, Familie und dem Verwandten nicht mehr für selbstverständlich, pflegt sie mehr und hat geschärfte Sinne für seine Umwelt
- Perfektionsstreben wird auf die Realität runtergedrosselt. Das Leben ist nicht perfekt, warum sollten Sie sich durch überzogene Ansprüche unter Druck setzen?
Der Weg durch die Krise erscheint oft schwer und kaum möglich – und doch ist es machbar, sich aus dem Hamsterrad der Negativität zu befreien und das Leben mehr zu genießen. Nutzen Sie die Arbeit bewusst als Quelle der Inspiration, der Ablenkung und der Objektivität. Der tägliche Kontakt zu anderen Menschen hilft Ihnen, sich nicht zu sehr auf Ihre Sorgen zu versteifen und ihnen einen übergroßen Platz einzuräumen.