Der Gegenwind wird nicht milder: Ob es die Zustände im Zentrum der italienischen Lederindustrie in Santa Croce sull’ Arno, die Arbeitsbedingungen in asiatischen Produktionsstätten, das Thema Chrom VI oder wie zuletzt die Lage der Arbeiter in den osteuropäischen Fabriken sind – die Kritik an der Schuhbranche lässt nicht nach. Im Gegenteil: Sie nimmt sogar zu. Die Industrie befindet sich im Visier von kritischen Journalisten, Verbrauchermagazinen und sozialen Initiativen wie ’Change your Shoes‘. Längst geht es dabei nicht mehr ausschließlich um Billigproduzenten in Indien oder dem chinesischen Hinterland. Auch renommierte Unternehmen aus Europa rücken in den Fokus. Und häufig ist die Berichterstattung ganz und gar nicht unparteiisch.
Komplexe Zusammenhänge werden oftmals vereinfacht und unvollständig dargestellt, die entsprechenden Hinweise der betroffenen Unternehmen ignoriert. So sieht es auch Manfred Junkert vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie: „Die extreme Anhäufung kritischer Berichte hat sich mittlerweile zu einer Art Geschäftsmodell von NGOs und gewissen Verbraucherzeitschriften entwickelt. Es scheint, als seien diese bewusst darauf aus, den Verbraucher in Unruhe zu versetzen und Ängste zu schüren. Nach dem alten Motto ’Bad News are Good News‘ haben wir den Eindruck, dass es hier vor allem darum geht, Spenden einzuwerben bzw. die Auflage zu erhöhen“, erklärte er vor Kurzem gegenüber schuhkurier. Vielen Konsumenten ist dieser Hintergrund jedoch nicht bekannt. Bei ihnen bleibt das Bild einer Branche im Hinterkopf, die auf Ausbeutung und zweifelhafte Materialien setzt. Zunehmend stellen Kunden Fragen zu Produktionsbedingungen, Sozialstandards und Materialien, auf die sie – vor allem im Fachhandel – Antworten erwarten. Werden sie diese erhalten?
In erster Linie sind die Hersteller gefordert, für Transparenz zu sorgen. Lediglich den medialen Ball an die Journalisten zurückzuspielen und ebenfalls über unsaubere Methoden zu klagen, wird auf Dauer nicht ausreichen. Einige Firmen gehen in Sachen Nachhaltigkeit bereits beispielhaft voran. So informiert etwa Ecco im Geschäftsbericht nicht nur umfassend über Umsatz und Gewinn, sondern listet auch die rund 120 Liter Wasser auf, die benötigt werden, um einen Quadratmeter Leder zu gerben. Auch Timberland veröffentlicht regelmäßig Updates zum ehrgeizigen Corporate Social Responsibility Programm.
Das Thema Nachhaltigkeit betrifft nicht nur die deutsche oder gar chinesische Schuhindustrie. Tatsächlich sitzen alle Marktteilnehmer in einem Boot. Insofern war es richtig und wichtig, dass die EU kürzlich das Projekt ’Step to Sustainability‘ lanciert hat, um der europäischen Leder- und Schuhindustrie nachhaltige Methoden und Prozesse zu vermitteln. Auf der GDS geht dieses Projekt in die Verlängerung. In einem Workshop am dritten Messetag berichten Vertreter von namhaften Unternehmen, wie sie das zukunftsweisende Thema Nachhaltigkeit bearbeitet. Ein Besuch lohnt sich.