Der Schuhhersteller Birkenstock war Thema der SWR-Sendung ’Marktcheck‘, die am 12. Juli ausgestrahlt wurde. Verschiedene Aspekte – vom Komfort der Schuhe über ihre Strapazierfähigkeit bis hin zur Fairness des Unternehmens als Arbeitgeber – wurden in dem Verbrauchermagazin beleuchtet. Gegenüber schuhkurier bezog Birkenstock Stellung zur Sendung.
12.07.2016
Petra Salewski
5 Minuten
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Verglichen wurden Schuhe von Birkenstock dabei mit Modellen von Dr. Brinkmann und der Deichmann-Marke Björndal. Beim Qualitätstest schnitten die Produkte von Birkenstock unterm Strich gut ab. Weder wurde Chrom VI nachgewiesen noch färbte die Sohle ab. Lediglich beim Oberleder der getesteten Schuhe wurde im PFI ein Abfärbe-Effekt festgestellt. Modelle von Birkenstock wurden auch hinsichtlich ihres Tragekomforts und ihrer Strapazierfähigkeit geprüft. Auszubildende im Krankenpflegedienst gaben dabei ihre Bewertung der Schuhe nach längerer Tragezeit ab – und stimmten mehrheitlich gegen die Traditionsmarke. Zugleich traten drei Teilnehmer des Strong Man Run, eines Hindernis-Dauerlaufs auf dem Gelände des Nürburgring, in Birkenstock-Modellen an. Hier erwiesen sich die Schuhe offenbar als belastbare Fußbekleidung. Zu Wort kam in der Sendung auch eine Medizinerin, die sich zur Wirkung des Birkenstock-Fußbetts äußerte. Verbraucher wurden zudem hinsichtlich ihrer Einschätzung zur ’Trendigkeit‘ der Produkte befragt. Ein Aspekt der Sendung war auch die in der Vergangenheit ungleiche Bezahlung von männlichen und weiblichen Beschäftigten in der Produktion. Aufgegriffen wurde außerdem die lange geübte Praxis, die Bildung von Betriebsräten möglichst zu unterbinden. Zur Sendung geht eshier.
Fragen zur Sendung an Birkenstock
Im Nachgang zur Sendung fragte schuhkurier beim Schuhhersteller Birkenstock nach. Beantwortet wurden die Fragen vom Sprecher des Unternehmens, Jochen Gutzy. 1. Wie bewerten Sie das ’Testergebnis‘ nach den Trageproben, demzufolge ausgerechnet Birkenstock am wenigsten komfortabel war? Der Begriff ’Testergebnis‘ scheint mir bei dieser Art von Verbrauchertest ein wenig hoch gegriffen. Aber davon mal abgesehen: Die Redaktion ist hier einem weit verbreiteten Irrtum aufgesessen. Weich ist nicht gleich komfortabel. Wenn unser Fußbett als ’hart‘ empfunden wird, so liegt das vermutlich daran, dass die Tester ansonsten Schuhe tragen, die kein vernünftiges Fußbett haben. Dies führt auf Dauer zu einer Rückbildung der Fußmuskulatur. Bei einem Wechsel auf unsere Produkte kann das anfangs zu einer starken Reaktion der Muskulatur führen. Das ist ein Art Muskelkater, der bei gesunden Füßen nach ein paar Tagen wieder verschwindet. Das ist so wie im Urlaub, wenn man sich den ganzen Tag barfuß am Strand bewegt. Da spürt man am Abend auch ein Ziehen in den Füßen. Deshalb würde aber niemand ernsthaft behaupten, Barfußlaufen sei ungesund. 2. Eine Fußbett-Pantolette ausgerechnet beim Strong Man Run zu testen, erscheint zumindest merkwürdig. Ihr Statement dazu? Es fällt schwer, bei dem von der Redaktion als ’Härtetest‘ angekündigten Strong-Man-Run auf dem Nürburgring von einem Produkttest zu sprechen. Das war eher die Karikatur eines Produkttests. Wir wundern uns zwar selbst manchmal darüber, was unsere Kunden mit unseren Produkten alles anstellen. Wir erhalten jedes Jahr mehrere tausend Zuschriften begeisterter Kunden aus der ganzen Welt: Mit Birkenstock Sandalen werden Berge bestiegen, Wüsten durchquert und die Welt mit dem Fahrrad umrundet. Aber dafür sind unsere Produkte natürlich nicht gemacht. Deshalb konnte dieser ’Test‘ auch keine aussagekräftigen ’Testergebnisse‘ liefern. Genauso wenig übrigens wie der angebliche ’Test‘ unserer Freizeitschuhe durch Pflegekräfte im Krankenhaus. Für Geh- und Stehberufe haben wir spezielle Produkte im Angebot. Im Übrigen sind dort Schuhe mit Fersenriemen seit Jahren Pflicht. Darauf haben wir die Redaktion im Vorfeld hingewiesen, ohne dass dies beachtet worden wäre. Aber das nur nebenbei. 3. Wie sehen Sie die Beurteilung der Medizinerin, wonach das Fußbett eigentlich nicht notwendig bzw. gar kontraproduktiv ist? Da wurden Äpfel mit Birnen verglichen. Ich kenne niemanden, der behauptet, ein Fußbett könne eine individuelle orthopädische Einlage ersetzen. Das Tragen eines Komfortschuhs mit anatomisch geformtem Fußbett ersetzt nicht den Gang zum Orthopäden. Wer ein ernsthaftes Fußleiden hat, sollte zum Arzt gehen. Daraus den Schluss zu ziehen, gesunde Füße könnten alle Schuhe tragen, halte ich aber für abwegig. Fakt ist: Falsches Schuhwerk ist nicht nur unbequem, es kann auf Dauer auch die Entstehung von Fußerkrankungen begünstigen. Unser Fußbett gibt den Füßen Halt, ohne diese einzuengen. Fakt ist auch: Millionen zufriedener Kunden bewerten den Tragekomfort unserer Schuhe komplett anders als die Medizinerin, die im Betrag zu Wort gekommen ist. Das war eine Einzelmeinung. Was für mich zählt, sind die zigtausenden positiven Rückmeldungen unserer Kunden. 4. Beim Labortest zeigte sich, dass das Obermaterial auffällig abfärbt. Wie erklären Sie sich das – zumal es bei den anderen getesten Schuhen nicht auftrat? Ihr Unternehmen wird zitiert mit dem Statement, an diesem Problem arbeiten zu wollen. Wie genau werden Sie dies tun? Es ist kein Geheimnis, dass das Gerben von Leder die ganze Branche vor eine große Herausforderung stellt. Das kam ja auch bei dem Betrag heraus. Ich erinnere daran, dass ein Konkurrenzprodukt im Labortest deutlich erhöhte Chrom-VI-Werte aufwies. Uns liegt die Gesundheit unserer Kunden sehr am Herzen. Deshalb setzen wir bei der Gerbung der von uns verarbeiteten Leder so weit wie möglich auf schonende, für Mensch und Natur unbedenkliche Gerbverfahren. Leider kann vegetabil gegerbtes Leder unter bestimmten Bedingungen abfärben. Um diesen unerwünschten Nebeneffekt zu verhindern, arbeiten wir zusammen mit dem Fraunhofer Institut an einer Weiterentwicklung der Gerbverfahren. 5. Das Unternehmen wird auch beim Thema Betriebsrat zitiert. Warum gibt es nicht an allen Standorten einen Betriebsrat? Reden wir nicht lange um den heißen Brei. Bei der vom dem SWR-Beitrag aufgeworfenen Frage ging es doch im Kern um die Arbeitsbedingungen vor 2013. Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es in der Zeit vor 2013 Fehlentwicklungen gab. Wir haben uns diesen Themen gestellt und diese sauber aufgearbeitet. Gleichzeitig haben wir nach den Veränderungen der Gesellschafterstruktur einen kompletten Neustart hingelegt, über den ja auch viel berichtet wurde. Leider endete die Darstellung im Beitrag im Jahr 2010, die positiven Entwicklungen seit 2013 wurden mit keinem Wort erwähnt. Richtig ist: Nie waren die Arbeitsbedingungen bei Birkenstock besser als heute. Auch die Beschäftigten in den unteren Lohngruppen erhalten eine Vergütung deutlich über Mindestlohn mit zusätzlichen leistungsbezogenen Prämien von bis 20% des Grundlohns. Daneben gibt es weitere Prämien, im letzten Geschäftsjahr neben einer allgemeinen Lohnerhöhung eine Einmalzahlung, mit der wir unsere Mitarbeiter an der positiven Geschäftsentwicklung beteiligt haben. Zudem erhalten alle gewerblichen Beschäftigten 13 Monatsgehälter und haben Anspruch auf 30 Urlaubstage. Ältere Beschäftigte erhalten ab dem 58. Lebensjahr zwei zusätzliche Urlaubstage. Ich darf daran erinnern, dass wir die freiwillige Gewährung von Mehrurlaub für ältere Beschäftigte vor Gericht verteidigen mussten. Das war dem SWR freilich keine Zeile wert. Ohne Medienschelte betreiben zu wollen – eine Sternstunde des öffentlich-rechtlichen Fernsehens war dieser Beitrag aus meiner Sicht nicht. Um auf Ihre Eingangsfrage zurückzukommen: Die Initiative zur Gründung eines Betriebsrates liegt nicht beim Arbeitgeber, sondern bei den Beschäftigten. An allen Standorten, in denen es einen Betriebsrat gibt, arbeiten wir konstruktiv und vertrauensvoll mit den Betriebsräten zusammen. Das ist so.