Dieses Unternehmen hat wahrlich herausfordernde Zeiten hinter sich – und war schon mehrfach schwer angezählt. Allein der Blick auf die zurückliegenden zehn Jahre zeigt, dass der Filialist aus der Steiermark etliche tiefe Täler durchschreiten musste. Sicher erinnern Sie sich: Noch 2015 gehörten Konzepte wie Stiefelkönig, Jello, Dominici, Corti und OMG zum Portfolio des Unternehmens. Und schon damals war die Rede von einer großen Schuldenlast.
Ein Jahr später hatte sich der Filialist deutlich verschlankt: Im Fokus stand die Konzentration auf die beiden Vertriebskonzepte Humanic und Shoe4You. Die seinerzeit 54 Shoe4You- und Jello-Standorte in Deutschland gingen an den Wedemarker Filialisten Kienast. Der Umsatz der Leder & Schuh AG sank mit den Umstrukturierungen – „planmäßig“, wie es damals hieß. Ebenso die Zahl der Mitarbeiter.
Seitdem begleitet die Leder & Schuh AG die bange Frage: Kann das alles gut gehen? Meldungen über Expansionspläne wechselten sich ab mit Schlagzeilen zu verpfändeten Aktienpaketen. Neben teils überraschenden Umsatzmeldungen sorgten umstrittene Rabattaktionen während der Corona-Pandemie für massive Kritik.
Als im Sommer 2025 Armin Weger von Engelhorn nach Graz wechselte, fragte sich mancher, ob der Produktspezialist sich das wohl gut überlegt habe. Weger betont, er sei angetreten, um mit Leder & Schuh eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. Mit der slowenischen Mass-Gruppe als neuem Eigner und ohne erdrückende Schuldenlast hat er gute Voraussetzungen, Shoe4You und vor allem Humanic weiterzuentwickeln. Die Marktlage in Deutschland und Österreich kann Weger dabei nicht ändern. Wohl aber Stellschrauben drehen, um die Performance der Leder & Schuh AG zu verbessern. Ob das gelingt? Es wäre verheerend, wenn nicht.