Wie das österreichische Medium Der Standard berichtet, befindet sich der Verkaufsprozess von Hervis offenbar in der finalen Phase – bereits kommende Woche könnte der Deal abgeschlossen werden. Das Medium mutmaßt mit Bezug auf gut informierte Kreise, dass Sven Voth, Gründer der Sneaker-Kette Snipes, das Unternehmen erwerben könnte. Im Gespräch soll laut dem Bericht auch die britische Frasers Group gewesen sein.
Hervis, seit 54 Jahren im Besitz der österreichischen Spar-Gruppe, betreibt rund 100 Filialen in Österreich und zählt zu den größten Sporthändlern Europas. Doch der wirtschaftliche Druck ist hoch: 2024 setzte das Unternehmen mit 1.357 Mitarbeitenden rund 253 Mio. Euro um, fuhr jedoch einen Verlust von 43 Mio. Euro ein. Bereits in den Jahren zuvor summierten sich die Verluste auf 113 Mio. Euro. Ausschlaggebend für die Entwicklung sind unter anderem sinkende Margen im stationären Handel, ein rückläufiger Fahrradabsatz und zunehmender Wettbewerbsdruck im E-Commerce.
Sven Voth, der 1998 Snipes gründete und die Marke zu einer internationalen Kette ausbaute, gilt als erfahrener Macher im Sneaker- und Streetwear-Segment. 2011 stieg Deichmann bei Snipes ein und übernahm später alle Anteile. Voth zog sich 2024 aus der Geschäftsführung zurück, blieb aber unternehmerisch aktiv. In Österreich gründete er die Beteiligungsgesellschaft Black Mass.
Ein früheres Projekt von Voth verlief jedoch nicht wie geplant: Die Discountkette Higgins, mit der er 2023 auf schnelle Expansion setzte, meldete noch vor Weihnachten Insolvenz an.
Hervis ist kein Start-up, sondern ein Traditionsunternehmen mit starker Präsenz in Österreich. Der Rückzug aus Osteuropa ist bereits im Gange: Filialen in Ungarn und Rumänien wurden im November 2025 an die Frasers Group verkauft, die Präsenz in Tschechien ist seit 2022 Geschichte.
Im Dezember eröffnete Hervis drei neue Filialen in Österreich: Einen Wintersport-Store in Kirchberg, einen Rent- & Service-Store in Zell am See und einen umfassend modernisierten 1.000 qm-Store in Fohnsdorf. Ziel sei es, die Präsenz in alpinen Destinationen sowie in starken regionalen Zentren zu verstärken, teilte das Unternehmen mit.