Der insolvente Kaufhausriese Galeria traf sich erneut mit der Bundestarifkommission der Vereinten Dienstleistergewerkschaft Verdi, um gemeinsam die Tarifsituation für die nun 12.000 Beschäftigten auszuhandeln. Im Verlauf der Verhandlungen legte Galeria ein Angebot vor, das die in der Vergangenheit präsentierten Vorschläge übersteigt: 8-prozentige Erhöhung der aktuell gezahlten Tarifentgelte, gestreckt über drei Jahre, sowie eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 600 Euro. Auch die firmeneigenen Prämiensysteme sollen neu strukturiert und ausgebaut werden. Der seit der Übernahme von Kaufhof durch Karstadt bestehende Integrationstarifvertrag soll durch einen neuen Warenhaus-Tarifvertrag mit einer Mindestlaufzeit von drei Jahren ersetzt werden. Außerdem schlägt Galeria weitere Verhandlungstermine im August vor.
„Für die erfolgreiche Zukunft von Galeria brauchen wir unsere hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen wir gute und marktgerechte Arbeitsbedingungen und dementsprechend eine attraktive Vergütung anbieten wollen“, sagt Guido Mager, Arbeitsdirektor und Finanzgeschäftsführer von Galeria. „Dabei ist Schnelligkeit von Bedeutung. Wir möchten die Vergütung unserer Beschäftigten auf der Grundlage unseres Tarifangebots in kürzester Zeit anheben und schnell auf dem Bankkonto der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügbar machen. Langwierige und ergebnislose Tarifverhandlungen wie in der Vergangenheit passen nicht mehr in die kurzen Entscheidungsprozesse, die wir uns als mittelständisches Unternehmen vorgenommen haben. Mit unserem Tarifangebot sind wir deshalb an unsere wirtschaftlichen Grenzen gegangen, um so möglichst schnell einen Tarifabschluss erzielen zu können.“
Verdi: „Beschäftigte verdienen Respekt“
Die Reaktion von Verdi auf den Vorschlag war bisher eher verhalten. Nicht nur zeigt sich die Gewerkschaft unzufrieden mit dem Tarifangebot, auch ein Misstrauen gegenüber den neuen Investoren herrscht vor. Der Fokus liege deshalb auf der Zukunftssicherung der 12.000 Beschäftigten, so die Gewerkschaft. So werde beispielsweise vom neuen Eigentümer Bernd Beetz erwartet, in das Unternehmen zu investieren und tragfähige Zukunftskonzepte auf den Weg zu bringen. „Warenhäuser sind das Herz vieler Innenstädte. Sie bieten Kundinnen und Kunden Waren und gute Beratung in einer Breite und Tiefe an, die sie sonst nirgendwo so erhalten“, sagt Silke Zimmer, Verdi-Bundesvorstand. „Dafür stehen vor allem die Galeria Beschäftigten. Sie sind das Gesicht des Warenhauses.“
Allerdings sei dies nur mit einem vernünftigen Flächentarifvertrag und einer entsprechenden Vergütung möglich. Derzeit „liegen die Einkommen in der Entgeltgruppe der Verkäufer*in monatlich um fast 500 Euro niedriger als beim Flächentarifvertrag“, sagt Marcel Schäuble, Verdi-Verhandlungsführer. So hätten viele Beschäftigte schon jetzt kein frei verfügbares Einkommen mehr. Ein fairerer Lohn würde auch die Attraktivität des Arbeitsplatzes Galeria erhöhen, so Schäuble weiter. Momentan legen die Kunden ihre Ware wieder zurück, weil die Kassenschlange zu lang ist und die Ware nicht in den Laden gebracht werden kann – aus Personalmangel.“ Mit dem unausgeschöpftem Potential wanderten immer mehr Beschäftigte, und in Folge auch Kundinnen und Kunden, ab.
„Jetzt ist die Insolvenz vorbei, die Sanierung durch Schließungen in vollem Gange, und die verbliebenen Beschäftigten wollen endlich einen fairen Lohn, von dem sie leben können“, so Schäuble.