Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) weist die Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) zu den möglichen Folgen einer Mindestlohnerhöhung entschieden zurück. In einer am 12. Juni veröffentlichten Stellungnahme kritisiert Verdi-Vorständin Silke Zimmer die Argumentation des Handelsverbandes als „blanken Hohn“.
„Der HDE will die Beschäftigten im Handel nicht fair entlohnen. Anders kann man die Behauptungen, mit denen der HDE die 15 Euro Mindestlohn verhindern will, nicht verstehen“, so Zimmer. In einer HDE-Umfrage hatten zwei Drittel der befragten Handelsunternehmen angegeben, im Falle einer spürbaren Erhöhung des Mindestlohns mit negativen Beschäftigungseffekten zu rechnen.
Verdi widerspricht dieser Einschätzung vehement. Angesichts der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten seien höhere Löhne im Handel dringend erforderlich. „Viele Beschäftigte kommen mit ihrem Entgelt kaum über die Runden. 90% der mehr als drei Millionen Einzelhandelsbeschäftigten sind akut von Altersarmut bedroht“, betont Zimmer. Statt hoher Löhne seien es vor allem schlechte Arbeitsbedingungen, die die Branche für Arbeitskräfte zunehmend unattraktiv machten.
Darüber hinaus kritisiert Verdi die Tarifpolitik des HDE. Immer mehr Mitgliedsunternehmen seien nicht tarifgebunden, weil der Verband entsprechende Mitgliedschaften zulasse. „Damit verabschieden sich viele Unternehmen von fairen Löhnen – mit Zustimmung ihres Verbandes“, so Zimmer weiter. Vor diesem Hintergrund sei eine gesetzliche Anhebung des Mindestlohns aus Sicht der Gewerkschaft unumgänglich.