Wie die Nachrichtenagentur AFP am 26. Juni unter Berufung auf die Behörde berichtete, wurde das französische Office des mineurs (Ofmin) mit den Überprüfungen beauftragt. Die Polizeieinheit ist auf Straftaten gegen Minderjährige spezialisiert.
Auslöser waren Anzeigen, in denen Spielzeug oder andere Gegenstände zu ungewöhnlich hohen Preisen angeboten wurden. Teilweise enthielten die Beschreibungen Angaben zu Alter, Größe, Geschlecht oder körperlichen Merkmalen. In sozialen Netzwerken entstand daraufhin der Verdacht, die Informationen könnten als verschlüsselte Hinweise auf Kinder dienen.
Über das Einschreiten der französischen Behörden hatte zunächst der Radiosender Europe 1 berichtet. Das Medium meldete bereits am 19. Juni, dass das französische Innenministerium mehrere verdächtige Angebote an die staatliche Meldestelle Pharos weitergeleitet habe.
Auch Frankreichs Hochkommissarin für Kinderfragen, Sarah El Haïry, schaltete nach eigenen Angaben die Justiz, Pharos und die Digitalaufsicht Arcom ein. Darüber berichtete das französische Portal Journal des Femmes am 24. Juni nach einem Gespräch mit El Haïry. Die Behörden handelten demnach nach dem Vorsorgeprinzip.
Vinted weist die Vorwürfe zurück. Nach einer internen Prüfung habe das Unternehmen keine Hinweise gefunden, die die Anzeigen mit Kinderhandel in Verbindung brächten. Altersangaben könnten sich auf die vorgesehene Zielgruppe eines Spielzeugs beziehen. Hohe Preise erklärte die Plattform unter anderem mit Sammlerwerten, Provokationen oder Verhandlungstaktiken. Manipulierte Angebote würden entfernt und beteiligte Konten gegebenenfalls gesperrt.
Auch die bisherigen Ermittlungen liefern noch keinen öffentlichen Beleg für ein kriminelles Netzwerk. Die Staatsanwaltschaft hat bislang nicht mitgeteilt, dass sich einzelne Verdachtsfälle bestätigt hätten. Mindestens eine stark verbreitete Anzeige wurde nachträglich einem 17-Jährigen zugeordnet, der sie nach eigenen Angaben erstellt hatte, um mutmaßliche Pädokriminelle anzulocken.