„Die Lage ist ja ernst“… „Wir sind in einer herausfordernden Situation“, so fangen viele Antworten an, wenn man Menschen aus der Branche fragt, wie es ihnen geht. Ein kraftvolles „Gut!“ rutscht so gut wie niemandem einfach so heraus. Zu groß die Probleme, zu gedämpft die Stimmung, zu lähmend die Sorge vor dem, was noch drohen könnte. Das ist nur verständlich. Über die vielfältigen Themen, die Schuhhandel und -industrie derzeit auf dem Zettel haben, ist schon oft geschrieben und diskutiert worden. Auch in Darmstadt.
Da zeichnete Unternehmensberater Ole Schartl (Hachmeister + Partner) auf, wie es um die Branche steht: Der Marktanteil des Schuhhandels sinkt. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind verunsichert. Der Lagerumschlag sinkt, ebenso die Roherträge. Das alles bedeute nicht den Anfang vom Ende des Schuhhandels, so Schartl. Aber der Markt werde nicht mehr alle gleich belohnen.
Was ist nun zu tun? Abwarten und aussitzen oder aktiv werden und angreifen? Wer beim Kongress schuhbusiness*2026 dabei war, hat sich offensichtlich für letztere Option entschieden. Zu hören gab es in Darmstadt auch viel Positives: Bruno Zumnordes Erfolge auf Social Media. Frank Beckmanns spannendes Laufschuh-Konzept Run’them in Bochum. Die Metamorphose von Henschel vom Alles-Anbieter zum Leuchtturm. Aber nicht nur das: Vor Publikum zu erklären, dass ein Laden – Beckmanns Schuhwerk-Konzept – vor einigen Jahren „grandios gescheitert“ ist, das macht man nur, wenn man sich in einer Runde sicher fühlt. Und da sind wir bei der besonderen Kraft der Schuh-Community.
Sie war spürbar, wo nicht nur konzentriert zugestimmt, sondern auch mitdiskutiert wurde. Wo kluge Fragen gestellt und Anregungen gegeben wurden. Wenn die Menschen der Branche zwischen den Vorträgen miteinander sprachen. Viele kennen sich seit Jahren, viele mögen einander. Es waren Vertrauen spürbar und gegenseitiger Respekt. Das alles löst die Probleme dieser Branche nicht. Es ist aber die unverzichtbare Basis, um alle Herausforderungen anzugehen.