Dort versammeln sich nämlich am Abend des 15. Mai Menschen vor einem Geschäft. Sie werden an diesem Ort die Nacht verbringen, um am nächsten Morgen, wenn der Laden öffnet, zu den Ersten zu gehören, die reingelassen werden. Sie dösen in Campingstühlen und halten sich mit heißen Getränken in Thermoskannen warm. Am Morgen ist eine enorme Menschenschlange in der Fußgängerzone entstanden. Für eine Taschenuhr in poppigen Farben, entstanden in einer Kollaboration der Unternehmen Swatch und Audemars Piguet. Das Modell namens Royal Pop kostet knapp 400 Euro und wird so gehypt, dass nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in anderen Städten weltweit die Menschen alles Mögliche auf sich nehmen, um ein Exemplar zu ergattern – Polizeieinsätze inklusive.
Der unbeteiligte Beobachter mag sich wundern. Es geht um einen bunten Zeitmesser, den man am Hosenbund, an einer Tasche oder um den Hals tragen kann. Wie kann man wegen einer solchen Uhr…? Aber rational lässt sich das Phänomen kaum erklären. Hier geht es um Emotion. Darum, Teil einer Community zu sein – derer nämlich, die am Ende eines der in Düsseldorf verkauften 60 Exemplare in den Händen halten darf. Und sicher auch darum, ein Sammlerstück zu besitzen, dessen Wert auf Sicht den Kaufpreis bei Weitem übersteigen wird.
Eine gute Geschichte zieht. Auch in Zeiten der Konsumflaute und des um sich greifenden Pessimismus. Und wenn die Geschichte so richtig gut ist, kommt es auf das Produkt als solches kaum noch an. Emotionen sind die Treiber des Konsums. Wer sie weckt, gewinnt Kundinnen und Kunden. Daraus lässt sich auch für den Schuhhandel und für Schuhmarken etwas lernen – und das muss nicht gleich die Kollaboration mit einem Anbieter von Luxusuhren sein