1. Nichts ist sicher.
Viele Bürger haben aktuell das Gefühl, die Welt sei aus den Fugen geraten. Das gleiche gilt für die Schuhbranche. In den vergangenen zwölf Monaten schien nichts vor radikalen Veränderungen sicher zu sein. Wer hätte gedacht, dass Klauser von Ara gekauft wird? Dass sich Gabor von der GDS verabschiedet? Dass es einen Monat wie den September mit einem Umsatzeinbruch von mehr als 20% geben kann? Es mag wie eine Platitüde klingen, aber es stimmt: Die Branche befindet sich im Umbruch. Das trifft viele hart und unvorbereitet. Schwäche – wirtschaftlich oder konzeptionell – wird bestraft.
2. Das Wetter passt nicht.
Winter im März und Sommer im September – das passte so gar nicht in die Planungen des Handels. Das reale Wetter entsprach im Jahr 2016 wieder einmal nicht den Vorstellungen und Wünschen der Schuh- und Modebranche. Und nun? Es bleiben zwei Alternativen. Entweder es geht weiter wie bisher und alle Hoffnungen ruhen auf einem gnädigen Petrus oder die Branche beginnt, Lieferrhythmen und das Verhältnis von Vor- und Nachorder zu überdenken. Und vom Wunschdenken in aktives Warenmanagment überzugehen.
3. Über Schuhe spricht man nicht.
Mücke statt Mokassins, Digitalisierung statt Doppelmonks, Social Media statt Sandaletten – selten wurde so wenig über Schuhe gesprochen wie in den vergangenen Monaten. Die Branche ist weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Dabei rückt in den Hintergrund, was eigentlich höchste Aufmerksamkeit verdient hat: die Ware. Alle wollen Sneaker, kaum einer bekommt die richtigen. Lange Jahre hat sich der Handel nicht um die Sportbrands gekümmert. Nun ist er außen vor. Adidas und Nike agieren knallhart aus eine Position der Stärke. Dieser Power konnte im vergangenen Jahr nur wenig entgegengesetzt werden. Trends kommen und gehen schneller als in der Vergangenheit. Ein echtes Kracherthema würde dem Handel mal wieder gut tun.
4. Digital ist besser. Oder?
Beacons, Extended Range und Crosschannel. Die Digitalisierung war 2016 omnipräsent, es gab kein Entrinnen. Dabei wurde so manches Mal übers Ziel hinaus geschossen. Die Zukunft der Branche hängt nicht davon ab, ob ein Händler für jede Filiale ein Facebook-Profil betreibt, auf Instagram schöne Bilder postet oder Click & Collect anbietet. Vielmehr ist für 2017 eine Renaissance der „alten Tugenden“ gefragt: Spannende Sortimente, frische Brands und – tatsächlich unverzichtbar – motivierte Mitarbeiter, die mit Spaß Schuhe verkaufen.
5. Die Rabattschlacht kennt nur Verlierer.
So dramatisch war es noch nie. Der katastrophale September löste eine Rabattschlacht in bislang ungekannten Ausmaßen aus. Ob aus wirtschaflicher Not oder getrieben vom Wettbewerb: Es gab kein Halten mehr. Im Ersinnen von immer neuen Preisnachlässen stellte die Branche ihre ganze Kreativität unter Beweis. Kauf zwei, nimm drei, 50% auf alles, Coupons, Online-Codes, Black Friday, Cyber Monday – Hauptsache Sale! Das Signal an den Verbraucher ist fatal. Wer regulär kauft, ist doof. Wohin soll das noch führen? Das Vorhaben, höhere Preise durchzusetzen um so die Erträge zu steigern, ist gescheitert.