Angefangen hatte seine Sportlerkarriere, so berichtete er es, auf dem Oktoberfest in München im Oktober 2016. Damals im Vertrieb eines Software-Unter-nehmens tätig, entschied Jonas Deichmann, einen Weltrekord aufzustellen.
Und das tat er dann gleich mehrfach, unter anderem mit der schnellsten unbegleiteten Durchquerung Europas per Fahrrad von West nach Ost und mit der schnellsten unbegleiteten Panamericana (von Alaska bis Tierra del Fuego in Argentinien), ebenfalls auf dem Zweirad. „Nur außerhalb meiner Komfortzone entwickele ich mich weiter“, so Deichmann. Also habe er, der zunächst vor allem Fahrradtouren absolviert hatte, entschieden, sich am Triathlon zu versuchen. Und es sollte nicht irgendeiner werden, sondern ein Triathlon um die ganze Welt.
Deichmann startete das Projekt unter denkbar schwierigen Bedingungen während der Corona-Pandemie. Von München aus sollte es gen Osten bis zum Pazifik gehen, von dort mit dem Schiff nach Nordamerika und weiter an die Atlantikküste. Die Route musste aufgrund der Pandemie mehrfach justiert werden. Das Losfahren, berichtete der Weltrekordler in Ulm, sei immer der schönste Moment. „Die meisten großen Träume scheitern schon vor dem Start“, sagte Deichmann – weil viele Menschen sich nicht trauen, es überhaupt zu versuchen. Darum lautet seine Devise: „Manchmal muss man es einfach machen.“ Er durchschwamm die Adria, auch nachts. Er radelte hunderte Kilometer über tiefgefrorene Pisten und durch gigantische Pfützen in Russland. Er schlug sein Zelt auf dem zugefrorenen Baikalsee auf, übernachtete in Gesellschaft von Klapperschlangen und Taranteln und lief – eskortiert von Polizeieinheiten und bejubelt von Fans – quer durch Mexiko. Er erlebte atemberaubende Landschaftswechsel und tauchte ein in die Natur. Und er musste sich durch Etappen kämpfen, in denen die Straße einfach nicht enden wollte.
In schwierigen Situationen fokussierte er sich auf den nächsten Schritt, die nächste Etappe, das nächste Frühstück. Und er lernte: „Do shit first, beginne den Tag mit den unliebsamen Sachen. Und konzentriere Dich auf das Schöne, das noch kommt.“ Also bei -17 Grad in Russland morgens raus aus dem Zelt, rein in die steifgefrorenen Schuhe – und losfahren. Der Weg, sagte Deichmann, sei das Ziel. „Ein Rekord ist toll und irgendwann ankommen auch. Aber das eigentlich Spannende ist die Strecke, das Abenteuer.“ Das Geheimnis des Deichmannschen Erfolgs? „Ich bin ein bedingungsloser Optimist“, bekannte der Sportler beim Unitex-Fashionfestival. „Und man braucht Leidenschaft.“ Statt zu Jammern sei es besser, „einfach zu schauen, was man tun kann.“ Das Ziel sollte man immer im Blick haben, die Strecke aber in machbare Etappen einteilen. Nach 14 Monaten um die Welt kam Deichmann wieder in München an – und als erstes gab es einen Teller Käsespätzle. Und Ideen für neue Rekorde: Nur kurze Zeit nach seinem weltumspannenden Triathlon war der Sportler der erste Mensch, der es schaffte, 120 Long-Distance-Triathlons nacheinander zu absolvieren – jeden Tag einen: 3,86 km schwimmen, 180,2 km Fahrradfahren und 42,2 km laufen. Weitere Aktionen seien bereits in Planung, verriet der Sportler – „aber das bleibt vorerst geheim.“