Früher war mehr Lametta. Und in Berlin mehr los. Die jüngsten Ausgaben von Premium, Panorama & Co. waren keine Knaller. Die Hauptstadt-Messen haben deutlich an Anziehungskraft verloren. Das große Gedränge blieb Anfang Juli aus. Ausnahme war die Neonyt, die mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit den aktuellen Zeitgeist befriedigt. Der Besuch insgesamt eher mäßig, die Internationalität fast völlig verschwunden – was wird aus dem Standort Berlin? In den Gängen und auf vielen Ständen wurde diese Frage intensiv diskutiert. Das ist per se kein gutes Zeichen. Schließlich sollten auf
einer Messe ganz andere Themen im Mittelpunkt stehen.
Vor allem der Panorama wurde von Ausstellern und Einkäufern kein gutes Zeugnis ausgestellt. Noch vor einigen Saisons galt die Veranstaltung unter dem Funkturm als aufstrebender Stern am Messehimmel. Gerade auch zahlreiche Schuhmarken nutzen die Panorama als Auftakt in die neue Saison. Zwischenzeitlich füllten sie sogar eine ganze ’Schuhhalle‘. Von diesem Glanz ist nicht viel übrig geblieben. Die Anzahl der Aussteller ist erheblich gesunken, zuletzt wurden noch sechs Hallen belegt, von denen zwei jedoch als Catering- bzw. Vortragsarea genutzt wurden. Schuhaussteller sind mittlerweile Mangelware. Viele sind auf die Premium abgewandert, andere haben sich ganz aus Berlin zurückgezogen. Die
anfängliche Begeisterung ist Ernüchterung gewichen. Noch im Januar hatte Panorama-Chef Jörg Wichmann öffentlichkeitswirksam über eine Zusammenlegung der unterschiedlichen Formate nachgedacht. Natürlich unter Führung der Panorama. Nun haben sich die Vorzeichen geändert.
Was nun, Berlin? Zunächst sollten sich alle Beteiligten darüber klar werden, dass es Veränderungen braucht, um den Standort Berlin möglichst stark zu erhalten. Das Messe-Hopping kostet wertvolle Zeit und ist nicht effizient. In Zeiten, in denen alle Beteiligten verstärkt auf ihre Kosten achten, erweist sich dies mehr und mehr als Nachteil.
Gerät eine Messe in unruhiges Fahrwasser, werden dies zudem auch die anderen Formate zu spüren bekommen. Die Hybris, sich für unantastbar zu halten, sollte sich angesichts der aktuellen Situation der Branche keiner leisten. Die
Interessenlagen der verschiedenen Veranstalter sind sehr unterschiedlich – und doch ist im Sinne des großen Ganzen
Bewegung geboten. Dazu müssen alle Beteiligten über ihren Schatten springen.
Berlin ist die Stadt mit der höchsten
Anziehungskraft in Deutschland. Zugleich braucht die Mode- und Schuhbranche einen Treffpunkt zum Start in die neue Saison. Die Voraussetzungen sind da, jetzt müssen Konzepte her.