Herr Stolitzka, Sie investieren in die Zukunft des Unternehmens. Haben Sie auch schon Pläne für einen Generationswechsel?
Selbstverständlich. Die nächste Generation ist mit Alenka Klarica und Morten Bay Jensen bereits an den Schalthebeln. Die beiden sind gerade in den 40ern. Ziel ist es, dass es in drei Jahren ohne mich funktioniert. Wenn das nicht klappt, habe ich einen Fehler gemacht. Wir sind ja gerade dabei, die Verantwortlichkeiten im Unternehmen breit aufzustellen. Deshalb steht nun ein Executive Board über allen Marken. Es wurden Business Units aufgebaut, die künftig auch ohne mich funktionieren sollen und werden. Auf Eigentümer-Ebene ist eine Holding installiert; es gibt eine Familienstiftung. Aber das hat nichts mit der Ebene zu tun.
2018 war für die Branche in mehrfacher Hinsicht anspruchsvoll. Wie ist es für Ihr Unternehmen verlaufen?
2018 war für Superfit und Legero das beste Jahr in der Firmengeschichte. Für Think! nicht – das lässt sich aber durch unseren umfangreichen Markenrelaunch erklären, der ein erhebliches Investment erforderte. Insgesamt war 2018 für uns sehr erfolgreich. Bei Superfit gab es zu H/W die höchste Menge an Nachbestellungen jemals. Es ist also gut gelaufen. Für 2019 erwarte ich allerdings eine andere Entwicklung.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Die wesentliche Aufgabe liegt darin, den Kundenanforderungen gerecht zu werden. Wie ist unsere Kundin gewohnt einzukaufen? Welchen Service wünscht sie sich? Das richtige anzubieten, das ist unsere größte Herausforderung. Hinzu kommen Strategien, um die Offline-Welt mit der Online-Welt zu verknüpfen. Und für unsere Händler, letzten Endes aber für unsere Verbraucherin, einen Service anbieten zu können, der sie zufriedenstellt. Mit diesem Ziel bauen wir das Unternehmen um. Sichtbarkeit der Marken on- und offline und die Verfügbarkeit unserer Schuhe steht an erster Stelle.
Sie haben neue Vertriebsgebiete für Europa definiert. Wird hier erst einmal der Fokus für Legero United liegen?
Die Central- und Northern Region sowie Italien sind die wesentlichen Märkte für uns. Der Fokus liegt zunächst klar auf Europa. Unser Plan ist aktuell, in etwa drei Jahren den chinesischen und den US-amerikanischen Markt ins Visier zu nehmen.
Sie betonen immer wieder, wie wichtig Ihnen der stationäre Fachhandel ist. Hinter vorgehaltener Hand sprechen Hersteller oft auch anders. Hand aufs Herz – wie wichtig ist Ihnen der stationäre Handel als Partner?
In der realen Welt, wo man das Produkt haptisch erleben kann, ist der Fachhandel auch in Zukunft unser Hauptpartner. Aber in einer anderen Kooperationsform als wir es bislang hatten. Wir werden deutlich vertiefter mit dem Handel zusammenarbeiten. Ich gehe zwar davon aus, dass die Zahl von aktuell 4.000 Fachhändlern im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren sinken wird, aber mit den zukunftsorientierten Verbleibenden werden wir Großartiges formen.
Wie sehen Sie angesichts dessen den Modehandel als Partner für Ihr Unternehmen?
In diesem Bereich sehe ich durchaus Potenzial, vor allem da, wo ein hohes Maß an Service geboten wird. Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, warum man nicht mit Modehändlern zusammenarbeiten sollte. Man muss als Lieferant allerdings richtig aufgestellt sein – Stichwort NOS.
Händler beklagen gelegentlich, dass Lieferanten sie nach getätigter Order vernachlässigen und sich nicht genügend um ihre Belange kümmern. Wie sehen Sie das?
Alles, was wir in Zukunft in der Kooperation mit dem Fachhandel sehen, beinhaltet einen engen Austausch und intensive Kommunikation. So wird zum Beispiel der Austausch über Produktnews noch viel besser werden. Wir erfahren ja sehr viel aus der digitalen Welt in unserem eigenen Webshop, etwa was Reklamationsgründe betrifft. Das kann uns helfen, unser Produkt noch besser zu machen. Künftig wird es bei uns ein Schulungscenter geben, das unsere Partner im Handel unterstützen soll. Seit Anfang des Jahres kümmert sich Frau Aust intensiv um unsere Kunden. Es wird also viel im Sinne des Fachhandels geschehen.