Der Schuhmarkt wird immer casualisierter. Hat der klassische Damenschuh langfristig noch eine Chance?
Gianni Georgiades: Ja, aber er verändert sich. Loafer zum Beispiel sind klassische Schuhe, momentan aber sehr beliebt. High Heels werden nicht verschwinden, aber Frauen treffen heute andere Entscheidungen. Die Zeiten, in denen Mode Schmerz bedeutete, sind vorbei. Frauen wollen gut aussehen, aber nicht leiden. Eine elegantere Silhouette für das Büro oder eine Abendveranstaltung wird weiter relevant sein. Der klassische Damenschuh muss sich aber an das Leben der Frauen anpassen – nicht umgekehrt.
Wie stark wird Künstliche Intelligenz die Schuhbranche verändern?
Gianni Georgiades: Sehr stark. Wir nutzen KI bereits und sehen sie als Assistenzsystem. Sie kann Prozesse beschleunigen, Daten auswerten und auch im Design helfen. Sie sorgt für eine enorme Beschleunigung. Aber sie ersetzt nicht die menschliche Intuition. Sie kann ein Assistent sein, aber keine Führungsrolle übernehmen. Gerade bei Mode, Emotion und Marke braucht es weiterhin Menschen. Die Kunst liegt darin, Technologie und menschliches Gespür richtig auszubalancieren.
Wird Produktentwicklung künftig stärker datengetrieben sein?
Gianni Georgiades: Daten helfen uns sehr, vor allem bei Bestseller- und Volumen-Produkten, Farben, Märkten und Nachsteuerung. Wir nutzen sie intensiv. Aber am oberen Ende der Pyramide braucht es Emotion. Eine Marke darf nicht nur auf Zahlen hören. Manchmal muss man etwas tun, weil es für die Marke richtig ist – auch wenn die Daten es noch nicht vollständig belegen.
Sie verkaufen Wellness. Wird das Longevity-Thema ein Treiber der Schuhindustrie werden?
Gianni Georgiades: Ich suche seit Jahren nach ewiger Jugend! Ich denke, viele Menschen investieren heute stärker in sich selbst, in Gesundheit, Wohlbefinden und Produkte, die ihnen guttun. Für mich geht es darum, wie man sich fühlt. Wenn ich morgens in meine Fitflops schlüpfe und mich gut fühle, dann ist das genau der Punkt. Footwear ist nicht nur Funktion – es beeinflusst, wie wir uns bewegen und wie wir uns fühlen. Das wird ganz sicher an Bedeutung zunehmen.
Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für Fitflop?
Gianni Georgiades: Sehr wichtig – und sie wird durch Regulierung noch wichtiger. Die gesamte Branche steht hier vor großen Herausforderungen, etwa bei Materialien wie EVA. Wir gehen Schritt für Schritt in die richtige Richtung, arbeiten mit neuen Materialien und prüfen auch unsere Prozesse. Dabei müssen wir auch über den Preis sprechen. Wer nur 99,99 Euro für ein Paar Schuhe bezahlt, wird kein High End-Produkt in Sachen Nachhaltigkeit erwarten können. Nachhaltigkeit betrifft für uns im übrigen nicht nur das Produkt, sondern auch Reisen, Sampling, Entwicklung und Lieferketten.
David Schüttenkopf: Wir haben eine eigene Abteilung, in der sich ein Team ausschließlich mit diesem Thema befasst. Sie schauen auf alle Bereiche und Abteilungen. Und es gibt spannende neue Materialien – nehmen wir allein das Recycling von Kaugummi für Sohlen oder die Nutzung von Algen. Hier gibt es ein enormes Innovations-Potenzial.
Wie soll Fitflop in zehn Jahren aussehen? Wird es dann die weltgrößte Wellness-Schuhmarke sein?
Gianni Georgiades: Wir wollen – und werden – eine der größten Erfolgsgeschichten der Branche schreiben. Ich glaube fest daran, dass Fitflop das Potenzial hat, die führende Wellness-Footwear-Marke zu werden. Das war immer Teil unserer DNA – auch schon lange bevor Wellness in der Branche ein großes Thema wurde. Jetzt geht es darum, diese Geschichte klar, modern und verständlich zu erzählen.
Was bedeutet das konkret für Deutschland?
David Schüttenkopf: Wir stehen noch am Anfang einer größeren Reise. Es gibt bereits eine loyale Kundenbasis, aber auch viel Potenzial bei neuen Konsumenten und Handelspartnern. Entscheidend ist, dass wir in den richtigen Stores sichtbar werden, die Marke richtig erklären und das Produkt erlebbar machen. Wir arbeiten mit etlichen Händlern vor allem im Bereich offener Ware zusammen. Viele Verbraucher und Einzelhändler verbinden mit uns nach wie vor vor allem offene Schuhe – doch diese Wahrnehmung ändert sich rasch. Deutschland ist herausfordernd – aber gerade deshalb eine große Chance.