In der Mode, so scheint es, gibt es keine wirklichen Trends mehr. Alles scheint möglich. Wie positioniert sich in dieser Situation eine Marke, die auch Trendsetter sein will?
Das wird immer schwieriger. Vor allem, weil jeder Hersteller über die gleichen Informationen verfügt. Wir sind alle gleich schlau und arbeiten an denselben Dingen. Wir versuchen, mit vielen kleinen Veränderungen die Unterschiede herauszuarbeiten. Aber das ist eine Herausforderung und wird sukzessive schwerer, seit es keine echten Trends mehr gibt. Das ist seit einigen Saisons der Fall. Wir sehen Varianten von Varianten. Mit unserem Produkt sind wir ein modischer Vorläufer, immer noch kommerziell, aber wir müssen die Dinge früher erkennen als andere.
Wen sehen Sie als Ihre Mitbewerber?
Es gibt sehr wenige. Einige italienische und einige spanische Brands würde ich dazu zählen. Ich sehe sie aber weniger als Mitbewerber, eher als Mitstreiter. Ich bin froh, dass es sie gibt. Und ich würde mir wünschen, es gäbe mehr Brands in unseren Preislagen. Mir wäre es lieber, der Handel hätte eine gute Auswahl an leistungsstarken Partnern in unserem Segment.
Aktuell wird in der Schuhbranche das Thema Messen diskutiert. Welche Art Messe würden Sie sich wünschen?
In Deutschland sind wir über unsere Showrooms gut aufgestellt. Dort sind wir während der Orderrunde durchterminiert. Auch auf der Supreme in München können wir gut arbeiten. Was uns beschäftigt, ist die Frage, wo wir Neukunden gewinnen können. Das war zuletzt auf der Premium der Fall. Aber das ist vorbei und jetzt gibt es keine Alternative mehr. Eine neue Messe in Deutschland wäre für uns interessant, wenn sie auch unsere Preislagen abbilden würde. Es gibt aber nur wenige Mitbewerber in diesem Segment in Deutschland. Daher setzen wir auf Exportmessen wie die Micam. Dort arbeiten wir sehr intensiv. Darüber hinaus besuchen wir noch die Première Classe in Paris und bedienen dort unsere internationalen Kunden.
Wie sehen Sie den EU-Green Deal und die Lieferkettenrichtlinie, die nun auf den Weg gehen wird?
Die Richtlinie und auch das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz stellen alle Unternehmen vor Herausforderungen. Unser Ziel ist es aber, zu zeigen, dass wir in Deutschland produzieren; das ist auch ein wichtiger Aspekt, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wir werden irgendwann per Knopfdruck unseren CO2-Ausstoß darlegen müssen; darauf bereiten wir uns vor. Wir sind dabei, unsere Fertigung mit ISO 9001 und ISO 14001 zertifizieren zu lassen. Dadurch haben wir Vorteile in alle Richtungen. Meine Devise ist es, nichts dem Zufall zu überlassen, sondern auf Veränderungen vorbereitet zu sein. Eine Frage, mit der wir uns intensiv befassen, lautet: Mit wem machen wir unsere Schuhe? Das über 100-jährige Know-how des Schuhmacherhandwerks weiter zu transportieren, ist eine große Aufgabe. Wenn wir da einmal nachlassen, kommt es nie wieder. Es ist schon so viel Wissen rund um die Schuhfertigung aus Deutschland verschwunden. Dabei hat unsere Branche so viel zu bieten. Wer engagiert ist und mitmacht, hat hier möglicherweise bessere Chancen als in der IT-Branche – auch international. Wir als Unternehmen müssen unglaublich aktiv sein. Wir haben einen Standortnachteil in Pirmasens. Aber andererseits haben wir eine angenehme Kultur in unserem Unternehmen. Und es ist meine Aufgabe, alle im Team zu begeistern und ihnen die Kennel & Schmenger-DNA näherzubringen.