„Wir wollen wachsen“
Das plant der Schuhfilialist Kienast
- 07.08.2025
- Petra Steinke
- 7 Minuten
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Das plant der Schuhfilialist Kienast
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Headerfoto: Peter-Phillip Kienast (Foto: Kienast)
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Das erste Halbjahr ist rum. Wenn Sie es mit einem Satz oder Schlagwort zusammenfassen müssten, welches wäre es?
Peter-Phillip Kienast: Das erste Halbjahr ist unter unseren Erwartungen geblieben – trotz grundsätzlich guter Rahmenbedingungen. Das Frühjahr ist gut gestartet. Es gab keinen späten Wintereinbruch, man konnte gut Übergangsware verkaufen. Der Mai hätte etwas wärmer sein können – aber insgesamt war der Verlauf ganz gut. Eigentlich hätte man gute Geschäfte machen können. Es war zwar okay, aber ich hätte mir mehr erhofft. Und wie wäre es gelaufen, wenn wir schlechtes Wetter gehabt hätten?
Woran hat es gelegen?
Sicherlich an der schwächeren Konsumstimmung, am eingetrübten Ausgabeverhalten der Verbraucher. Vielleicht sind die Schuhmodethemen aktuell auch nicht so interessant. Der Sneaker dreht die x-te Runde. Die Schuhschränke sind voll. Es gibt nicht unbedingt die neuen Trends, die den Konsum ankurbeln könnten. Aber wir sind in Summe nicht unzufrieden. Wir bewegen uns in Konsumpreislagen und haben dort eine gute Entwicklung.
Vor zwei Jahren haben Sie in einem Interview von einer riesigen Marktbereinigung gesprochen. Diese fand damals schon statt und setzte sich fort. Wann wird sie zu Ende sein?
Ich glaube, sie wird nicht enden. Der Schuhhandel in Deutschland ist immer noch sehr kleinteilig. Es gibt viele kleine Unternehmen, die in eigenen Immobilien wirtschaften und bei denen in absehbarer Zeit ein Generationswechsel ansteht. In diesem Segment werden sicher noch viele Unternehmen aus dem Markt ausscheiden. Im Verlauf kam es zudem zum Marktaustritt einiger großer Unternehmen. Görtz war ein enormer Einschnitt. Es war ein Leuchtturm, der da verschwunden ist. Auch die HR Group, immerhin die Nummer 2 im deutschen Markt. Und Konzepte wie Myshoes und CCC oder regionale Filialisten wie Dielmann. Von einigen dieser Unternehmen sind Filialen durch andere Betreiber übernommen worden. Aber im Grunde sind viele Schuhflächen weggefallen. Diese Entwicklung wird weitergehen. Das stellt auch die Schuhindustrie vor große Herausforderungen, weil ihre Absatzkanäle verschwinden. Und es birgt eine Chance für den Textilhandel, mehr Schuhe ins Sortiment aufzunehmen. Nach meinem aktuellen Kenntnisstand liegt die Performance der Schuhe hinter der der Textilien. Darum lassen sich die Türen für die Industrie vielleicht doch nicht so leicht öffnen. Ich will ehrlich sagen, dass ich kein gesteigertes Interesse daran habe, dass sich neue Marktteilnehmer Marktanteile im Schuhsegment sichern. Und es ist offensichtlich nicht so einfach, weil das Produkt ein Underperformer im Vergleich zur Textilmode ist.
Das mag auch an den Prozessen liegen, bei denen die Schuhindustrie der Mode deutlich hinterherhinkt.
Da möchte ich die Branche in Schutz nehmen. Ein Schuh ist ein hochkomplexes Produkt mit vielen Komponenten und Vorlieferanten. Er hat deutlich mehr Volumen als ein T-Shirt. Da ist die Branche benachteiligt, auch was Prozessketten und Leadtimes betrifft. Natürlich gibt es trotzdem Optimierungsmöglichkeiten. Ein großes Problem ist, dass bei Schuhen das Preisniveau zu niedrig ist. Der Konsument ist an die Preislagen, die wir bieten, gewöhnt. Da kostet ein T-Shirt 40 Euro – und der Schuh mit deutlich mehr Aufwand 70 Euro. Das zeigt, wie stark das Werteniveau bei Schuhen unter Druck steht.
Konzept mit Fachgeschäftscharakter: Schuhpark in St. Augustin (Foto: Kienast)
Dieses Thema ist nicht neu. Es wird in der Branche diskutiert, dass der Preis von Schuhen steigen müsste. Zugleich ist eine Konsumzurückhaltung spürbar. Der Verbraucher will diese höheren Preise nicht. Wie kann eine Lösung aussehen?
Wenn man einmal auf einem gewissen Niveau angekommen ist, ist es schwer, daran etwas zu ändern. Der Druck auf den Preis ist nach wie vor groß – getrieben von verschiedensten Marktteilnehmern. Da will ich uns nicht ausnehmen. Auch wir sind vom Wettbewerb getrieben und machen am Ende mit. Ich kritisiere, wie wir alle uns verhalten. Es hat sich etabliert, dass die begehrtesten Produkte zum Zeitpunkt der höchsten Nachfrage rabattiert verkauft werden. Das umfasst inzwischen auch beliebte Marken, die über Wochen im Preis herabgesetzt werden. Das ist ein zerstörerischer Mechanismus. Aber wir befinden uns in einem beinharten Verdrängungswettbewerb. Reduzierungen sind ein Vehikel, sich zu profilieren. Auch wir können uns dem nicht entziehen. Wir machen Aktionen, weil der Druck enorm hoch ist. So entwickelt sich eine Spirale. Nicht jeder kann es sich leisten, auf Marge zu verzichten. Nur die Performantesten, die wirklich Geld verdienen, können einen solchen Preiswettbewerb durchhalten. Ich halte es für unnötig, aus einer Position der Stärke die Preise derart zu drücken.
Vollsortiment für die ganze Familie: Reno-Standort in Syke (Foto: Kienast)
Was müsste passieren, um das zu ändern?
Die Kunden sind inzwischen enorm preisgetrieben. Übrigens nicht nur durch den stationären Handel. Online ist das Markenprodukt mit dem besseren Preis nur einen Klick entfernt und, wenn man Glück hat, am nächsten Tag in der Postbox. Die plumpsten Preisaktionen bringen den schnellen Umsatz. Ohne Preisvorteil ist kaum jemand vom Sofa zu bewegen. Man kann nur appellieren, dass solche Aktionen zurückgefahren werden. Abschaffen kann man es nicht. Aber zügeln sollten wir uns. Es ist für alle bitter, wenn zum frühen Zeitpunkt in der Saison ein großer Player Skechers-Aktionen startet und die übrigen Marktteilnehmer in Zugzwang geraten.
Vor Kurzem hat der SABU-Geschäftsführer Stephan Krug in einem Brandbrief gefordert, dass Industrie und Handel besser zusammenarbeiten müssen – Stichwort Kalkulationen –, weil die Lage im Handel ernst ist. Hat er recht?
Der Ansatz ist richtig. Ich weiß nur nicht, wie das gelingen kann, weil im Grunde keine Einigkeit herrscht. Man müsste erst einmal an den Rabatten arbeiten. Natürlich ist die Kalkulation wichtig. Aber wenn dann wieder Unternehmen aus einer Position der Stärke heraus Sonderpreise machen, bringt das nichts. Wir sind leider an einem Punkt angekommen, an dem man das Rad nicht mehr zurückdrehen kann. Darum wird sich der Handel weiter massiv verändern. Es werden sicher zahlreiche Türen schließen.
Das bedeutet eine weitere Ausdünnung des Angebots und schlussendlich weniger attraktive Innenstädte.
Das ist so, und es trifft den Schuhhandel besonders. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen heute im Sportfachhandel oder bei vertikalen Textilisten. Diese haben immer mehr Schuhe im Sortiment. Man braucht nicht unbedingt ins Schuhgeschäft zu gehen. Vor allem jüngere Menschen nicht.
Was bedeutet das für Sie und Ihre Unternehmensgruppe?
Ein Vorteil ist, dass man als Filialist agiler ist und das Standortportfolio flexibel halten kann. Wir haben in den letzten Jahren viele Standorte hinzugewonnen, aber auch etliche geschlossen. Wir profitieren auch vom Wegfall von Wettbewerbern. Für gut aufgestellte Unternehmen ergeben sich Chancen und es wird Markt frei.
Sie führen 440 Filialen. Wie teilen sich diese in die verschiedenen Konzepte auf?
Aktuell sind es 278 Reno-Filialen. Wir haben im letzten Jahr innerhalb von zweieinhalb Monaten 250 Läden von unseren Konzepten ABC und K+K Schuh-Center auf Reno umgestellt. Hinzu kommen 67 Shoe4You-Filialen und 25 Street Shoes-Geschäfte. Teilweise haben wir Street Shoes-Flächen in Shoe4You umgewandelt, was auch mit Umzügen auf größere Flächen einherging. Zum Portfolio gehören außerdem 69 Schuhpark-Filialen. Schuhpark feiert dieses Jahr 50-jähriges Jubiläum. Wir haben den Filialisten 2019 übernommen, nachdem der damalige Inhaber Bernhard Fascies Insolvenz angemeldet hatte. Er hatte das Unternehmen im Alter von nur 21 Jahren gegründet und war ein wahrer Unternehmer, der für seine Firma gelebt hat. Seinem Mut und seiner Weitsicht ist es zu verdanken, dass es das Unternehmen noch heute gibt und die Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz haben. Ein positives Beispiel, wie durch eine Insolvenz zum richtigen Zeitpunkt ein unternehmerisches Erbe gesichert werden kann.
Warum erfolgte bei Street Shoes teilweise der Umzug auf größere Flächen?
Bei den derzeitigen Kostenstrukturen – Stichwort Lohnkosten, aber auch allgemeine Kosten – und den Branchenentwicklungen wird es immer schwieriger, kleine Einheiten profitabel zu betreiben. Es ist unsere Strategie, die Durchschnittsumsätze der Standorte zu erhöhen. Darum sind wir mit Street Shoes an einigen Standorten in erfolgreiche Center auf größere Flächen umgezogen und haben unter Shoe4You neu eröffnet. Wir wollen ein kompetenter und wahrnehmbarer Marktteilnehmer sein. Es ist oft schwierig, sich mit einem sehr kleinen Geschäft zu profilieren. Und die Personalkosten erdrücken einen dort.
Wie sind die verschiedenen Konzepte in Ihrem Portfolio nebeneinander positioniert?
Wir haben einiges bereinigt, um klarer aufgestellt zu sein. Mit unseren unterschiedlichen Formaten sprechen wir gezielt verschiedene Kundengruppen an. Jetzt sind es drei Hauptkonzepte: Reno, Shoe4You und Schuhpark. Mit diesen drei Konzepten wollen wir in die Zukunft gehen. Für Reno haben wir übrigens in diesem Jahr die größte Imagekampagne in der Geschichte unseres Unternehmens gestartet. Das Motto: „Schuhe, die sitzen, Preise, die passen.“ Für Reno wird zudem eine App eingeführt und wir wollen das Konzept kraftvoll weiterentwickeln. Hinzu kommt in unserem Portfolio Street Shoes, womit wir aber keine Expansionspläne haben. Das Konzept Claudio haben wir eingestellt. Schuhpark ist preislich am höchsten positioniert und kommt dem Fachgeschäft nah. Reno ist der Nahversorger für die preisbewusste Familie, die ein großes Angebot wünscht und unkompliziert Schuhe kaufen möchte. Hier gibt es viele Filialen auch im ländlichen Raum. Shoe4You hat einen etwas höheren Markenanteil und ein urbaneres Angebot. Es ist eher in größeren Ballungsräumen positioniert und hat auch ein etwas jüngeres Sortiment.
Werbung für Reno: „Größte Imagekampagne in der Geschichte unseres Unternehmens.“ (Foto: Kienast)
2018 haben Sie das Thema Wholesale als eigene Business Unit eingeführt. Es gibt eine Zusammenarbeit mit Edeka und den Adler Modemärkten. Wollen Sie hier weiter wachsen?
Für uns ist das Thema Wholesale ein wichtiges Standbein, das wir erfolgreich etabliert haben. Es ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Aktuell bewirtschaften wir rund 400 Systemflächen. Wir können uns weiteres Wachstum gut vorstellen. Wobei man sehen muss, dass die Wachstumsmöglichkeiten begrenzt sind – nicht zuletzt durch die Strukturveränderungen in der Branche und den Wegfall von Flächen. Ich hatte schon das jahrelange Siechtum erwähnt. Handelspartner der HR Group haben sich das jahrelang angeschaut und hingenommen, dass die Schuhflächen schlecht gemanagt wurden. Einige haben dann den Schalter umgelegt und entschieden, keine Schuhe mehr anzubieten, und die Abteilung zurückgebaut. Hinzu kommt der Fall Real, der aus dem Markt verschwunden ist. Das war einmal ein wichtiges Standbein für die HR Group. Es ist aber ein Geschäftsmodell, das man nicht einfach nebenher betreiben kann. Es ist anders als stationärer Handel und sehr komplex. Wir hatten unsere Lernkurve und haben die benötigten Strukturen und Prozesse aufgebaut. Unseren Wachstumswünschen entgegensteht eine vorzeitige Vertragsauflösung mit Adler zum Jahresende. Der neue Eigentümer Modepark Röther hat grundsätzlich andere Vorstellungen im Bereich Schuhe und wir sind gespannt, wie dort in Zukunft die sehr heterogenen Schuhflächen in Eigenregie bespielt werden.
Was macht das Systemgeschäft so komplex?
Zum einen sind die Flächen sehr kleinteilig und oft unterschiedlich. Man bewirtschaftet Flächen von wenigen Kleinstmöbeln bis hin zu ganzen Abteilungen, je nachdem, für welche Kunden man sich entscheidet. Wir sind oft in Lebensmitteleinzelhandel-, Cash&Carry- und SB-Warenhausflächen vertreten und decken eine große Bandbreite ab. Die Heterogenität der Flächen erschwert die Wareneinsteuerung. Man muss genug auf Lager haben, um die Ware auf Abruf liefern zu können. Und nicht selten sind die Kunden anspruchsvoll und haben konkrete Vorstellungen davon, wie ihre Schuhflächen aussehen sollen.
Sind Preissteigerungen etwa durch Anpassungen im Sortiment Teil Ihrer Strategie, um die Umsätze in Ihren Geschäften zu erhöhen?
Wir haben die Durchschnittspreise bei den meisten Konzepten in den letzten Jahren kontinuierlich steigern können, teilweise durch eine Sortimentsveränderung und durch die bereits erwähnte Systemveränderung. Bei ABC und K+K, die noch discountiger aufgestellt waren, haben wir uns an höhere Preispunkte nicht herangetraut. Durch die Umstellung auf Reno sind wir jetzt breiter aufgestellt, haben oben angebaut und konnten auch den Anteil von Herstellermarken erhöhen. Dadurch ist es gelungen, neue Kundengruppen zu erschließen.
Wie hoch ist Ihr Eigenmarkenanteil?
Der unterscheidet sich von Konzept zu Konzept. Bei Schuhpark, wo wir höherpreisige Produkte in Mittelpreislagen anbieten, gibt es einen sehr geringen Eigenmarkenanteil. Dort werden nur Hausschuhe, Fußbettpantoletten oder einige Sommersandalen als Eigenmarken angeboten, der Großteil besteht aus bekannten Marken von Tamaris über Gabor bis Legero. Bei unseren anderen Konzepten ist der Eigenmarkenanteil höher. Aber auch dort sehen wir, dass unser Angebot, vor allem im Sneakerbereich, sehr markenlastig geworden ist. Man muss sagen, dass die Sportbrands, zum Beispiel Adidas, sehr attraktive Preislagen bieten. Das Preisniveau ist sehr niedrig für den Schuhfachhandel, auch im Kinderbereich. Der Abstand zur Eigenmarke ist daher nicht mehr sehr groß. Und die Marke ist sehr gefragt, auch wenn sie eine schlechtere Kalkulation bietet. Beim Deckungsbeitrag relativiert sich das etwas, weil die Nachfrage sehr hoch ist.
Teamleistung: Shoe4You-Standort in Leipzig (Foto: Kienast)
Die Veränderungen, gerade auch bei filialisierten Unternehmen in der Branche, haben Sie bereits erwähnt. War es aus Ihrer Sicht alternativlos, dass Leuchttürme wie Görtz und die HR Group letztlich scheiterten?
Zunächst einmal ist es eine traurige Entwicklung. Man hat früher zu Görtz aufgeschaut. Die HR Group war die Nummer 2 in Deutschland. Es ist bedauerlich, dass es durch Missmanagement so weit kommen musste. Und auch, dass es nicht gelungen ist, diese Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt oder früh genug zu sanieren. Nicht selten steigen in solchen Fällen Investoren ein, die keinen Langfristhorizont haben. Dann wird noch das Tafelsilber verscherbelt, und ein Unternehmen wird so lange am Tropf gehalten, bis alle Assets veräußert oder vernichtet sind. In die Läden wird nichts mehr investiert. Es ist ein jahrelanges Siechtum. Am Ende bleibt ein Scherbenhaufen übrig, und man kann nichts mehr sanieren. Ich bin der Meinung, dass Insolvenzverfahren enorme Möglichkeiten bieten, wenn sie rechtzeitig eingeleitet und vernünftig umgesetzt werden. Dann besteht die Chance, dass ein Unternehmen am Ende erhalten bleibt. Das hätte bei Görtz und bei der HR Group besser gemacht werden können. Die Leidtragenden sind die Mitarbeitenden und auch die Lieferanten, die viele Türen verloren haben, wo kein Schuhhandel mehr stattfindet. Für uns ist es natürlich auch eine Chance, weil im Falle der HR Group ein echter Wettbewerber weggefallen ist.
Schuhpark-Filiale in St. Augustin (Foto: Kienast)
Wie entwickelt sich Ihr Onlineshop Kilagoo.com, den Sie vor zwei Jahren gelauncht haben?
Inzwischen haben wir mit reno.de einen zweiten Onlineshop eröffnet. Ich muss sagen, dass das Online-Business ein schwieriges Geschäftsfeld für uns ist. Wir sind nicht mit großen Erwartungen gestartet. Deshalb sind wir auch nicht enttäuscht. Aber es ist nicht einfach, mit einem neuen Namen zu starten. Wir verfolgen aber eine Dachmarkenstrategie. Wir können nicht für jedes Konzept einen eigenen Onlineshop aufbauen. Zunächst war Kilagoo.com für alle Konzepte gedacht. Seinerzeit hatten wir noch nicht die Option, so einen relevanten und bekannten Namen wie Reno nutzen zu können. Heute ist Kilagoo.com der Onlineshop für Shoe4You, Schuhpark und Street Shoes. Er bietet ein Sortiment für fashion-orientierte Online-Shopper. Daneben haben wir im Herbst letzten Jahres auch den Onlineshop für Reno gelauncht. Hier steht ein Angebot für die ganze Familie im Fokus. Aufgrund der Bekanntheit ist dieser Shop für uns leichter zu betreiben.
Wo liegen Ihre Herausforderungen im Onlinehandel?
Wir sind nicht unzufrieden. Aber der Markt ist besetzt. Viel läuft über Plattformen. Wir haben entschieden, nicht mit Plattformen zu arbeiten. Wir verkaufen nur über die eigenen Shops reno.de und kilagoo.com. Uns ist es wichtig, im Verkaufsgespräch eine Antwort auf die Anforderungen der Kunden geben zu können. Wir möchten nicht auf den Onlineshop eines Mitbewerbers verweisen. Für uns ist es die Verlängerung der Ladentheke und Teil unseres Servicegedankens. Der Umsatzanteil mit unseren Onlineshops liegt im niedrigen einstelligen Bereich.
Nutzen Sie KI in Ihrem Unternehmen?
Ja, wir setzen KI punktuell ein. Insbesondere zur Unterstützung bei der Texterstellung für unseren Onlineshop sowie im Bereich Marketing. Wir haben aber zunächst ein Großprojekt für unser Unternehmen in Planung, nämlich die Einführung eines neuen ERP-Systems. Das Projekt läuft unter dem Titel „Kienext“. Ziel ist eine umfangreiche technische Umstellung, um bessere und schlankere Prozesse einführen zu können. Wenn man KI wirklich nutzen will, braucht man eine gute Datenbasis, und die werden wir dadurch schaffen. Derzeit sind wir in der Implementierungsphase. Bis so ein System wirklich operativ voll läuft, wird es sicherlich noch fast zwei Jahre dauern.
Wo, denken Sie, kann Ihnen KI helfen?
Ich habe viele Ideen und Wünsche. Aber wie genau, das wird man sehen. Ich würde mir wünschen, dass sie bei der Warensteuerung helfen kann. Mitarbeiterentlastung und Prozessoptimierung könnten auch Themen sein.
Wie sehen Sie das Thema Nachhaltigkeit? Was bekommen Sie von den Verbrauchern gespiegelt?
Nachhaltigkeit ist derzeit nicht das Top-Thema bei unseren Kunden, bleibt aber eine zentrale Herausforderung für uns als Unternehmen.
Wo sehen Sie aktuell für Ihr Unternehmen die größten Baustellen?
Baustelle ist ein gutes Stichwort. Gerade dreht sich hier der Baukran. Wir erweitern unseren Stammsitz und bauen eine weitere Etage auf das bestehende Gebäude. Ebenso ist das ERP-System eine Baustelle. Und daneben gibt es einige Herausforderungen für uns. Da ist zum Beispiel die Lohnentwicklung. Es ist eine enorme Anstrengung, das zu schultern. Wir bewegen uns in unserem Unternehmen oberhalb des aktuellen Mindestlohns, aber wir müssen dennoch die gewünschten Anpassungen umsetzen. Und weil wir nicht von stark steigenden Umsätzen ausgehen, ist es schon schwierig. Ich nehme an, dadurch wird der Druck auf die Branche steigen und die Marktbereinigung weiter beschleunigen. Gerade an kleineren Standorten ist der Personalkostenanteil der größte Block – nicht die Miete. Wir haben dabei wenig Spielraum. Um 10 Uhr muss ich aufmachen, und das jeden Tag. Es ist für uns keine Option, an einem Wochentag zu schließen.
Viel Raum für Schuhe: Reno-Filiale in Kassel (Foto: Kienast)
Deichmann hat sein Sortiment stark um Industriemarken ergänzt. Können Sie die Haltung von Herstellern verstehen, die eine Zusammenarbeit mit dem Essener Filialisten anstreben, weil viele andere Verkaufspunkte verloren gegangen sind?
Ich kann es leider nachvollziehen. Ich weiß nicht, ob sich jede Marke damit wirklich einen Gefallen tut. Natürlich ist das ein gigantischer Umsatzbrocken, und Deichmann ist sofort der größte Kunde. So entsteht aber auch eine starke Abhängigkeit. Wünschenswert wäre, dass Marken mehr differenzieren in den Produkten, die sie bei Deichmann oder bei anderen Unternehmen anbieten. Trotzdem besteht die Gefahr, dass es für eine Marke unterschiedliche Preispunkte gibt. Dadurch wird der Wettbewerbsdruck weiter erhöht.
Was erwarten Sie vom zweiten Halbjahr?
Ich bin positiv eingestellt. Ich glaube, dass wir für unser Unternehmen gute Umsätze machen werden – in einem angespannten Marktumfeld. Ich erwarte keine großen Überraschungen, weder positiv noch negativ. Wir planen mit einem leichten Umsatzzuwachs.
Wo wird Kienast in fünf Jahren stehen?
Wir wollen gerne wachsen. Wir sind bereit, Möglichkeiten zur Expansion zu ergreifen. Wir werden weiter stark an unserem Portfolio arbeiten. Ich möchte in fünf Jahren gut positionierte Geschäfte sehen. Wir werden unsere Prozesse gravierend optimiert haben. Kienast wird eine Omnichannel-Strategie mit Verknüpfung zwischen Onlineshop und unseren Flächen umgesetzt haben. Wir versuchen permanent, uns zu verbessern. Wir investieren und arbeiten an unseren Konzepten, um unsere Leistungsfähigkeit immer weiter zu erhöhen. Wir wollen jetzt und in Zukunft das bestmögliche Sortiment für unsere Kunden bereitstellen.