Neu gedacht
Die Ladenfläche von Anni & Otto Kinderschuhe umfasst zwei Räume, die sich auf verschiedene Größen fokussieren: Während der vordere Bereich die Größen 27-37 beinhaltet, geht es in dem hinteren und ruhiger gelegenen Raum um die Lauflerner. „Ich versuche schon, modisch zu sein, aber die Passform liegt klar im Fokus“, fasst Huber das Sortiment zusammen. Barfußschuhe werden ebenfalls angeboten, wenn auch begrenzt, was in der eiligen Beschaffung und dem limitierten Lager begründet ist. Dafür dürfen auch zwei Freundinnen von Julia Huber ihre Accessoires über Anni & Otto verkaufen. Ein weiterer Beweis für das starke Netzwerk der Händlerin. Um auch die Kunden zu erreichen, bespielt Huber aktiv die Sozialen Medien. Vor allem Instagram wird genutzt, um „schnell und nah“ an den Kundinnen und Kunden zu sein. So stehe man direkt im Dialog und erhalte umgehend Feedback, die Grundlage für eine konstruktive und nachhaltige Social-Media-Strategie. Doch damit ist es nicht getan, denn um sich als Kinderschuhgeschäft auch in Zukunft behaupten zu können, müssen manche Aspekte neu gedacht werden, so Huber. „Ich habe mir die Frage gestellt: Wie kann ich den Laden anders gestalten als einfach nur die Tür aufzumachen und Schuhe anzubieten?“ Zum einen gehört dazu das Interieur des Geschäfts. Denn um auf der Fläche 100% zu geben und gleichzeitig Kunden zu begeistern, muss die Gestaltung stimmen. Von daher galt es zu klären: „Wo fühle ich mich wohl, wenn ich einen Laden betrete? Und vor allem: Was könnte den Kindern gefallen?“ Daran angeknüpft zeigt sich ein weiterer Grundpfeiler des Geschäftes, denn mit Schuhverkäufen allein ist es heute nicht mehr getan. Ein neues Konzept musste also her, oder genauer: ein Nachbarschaftskonzept. „Das bedeutet nicht, dass ich eine Anlaufstelle für Pakete bin oder einen Waschservice anbiete“, scherzt Huber. Stattdessen sei damit ein gewisser Eventcharakter gemeint, der die Nachbarschaft ins Geschäft ziehen soll. „Das können dann zum Beispiel Vorlesestunden sein“, erklärt sie weiter. Erste Gespräche mit lokalen Buchhandlungen würden bereits stattfinden. Auch soll es Kooperationen mit benachbarten Geschäften geben, oder Bastelstunden.
Worauf es ankommt
Dennoch kommt man kaum um eine leicht zynische Haltung gegenüber neuen Geschäftsgründungen umhin. Wieso möchte man ein Geschäft eröffnen, wenn sich in der Branche wöchentlich die Hiobsbotschaften häufen? Oder mit anderen Worten: Reicht die Eventidee, um auch nachhaltigen Erfolg zu garantieren, oder worauf setzt Anni & Otto, um sich erfolgreich abheben zu können? Fragen, auf die Julia Huber selbstbewusst antwortet: „Der Hauptpunkt ist, dass ich im Laden stehe. Und da spreche ich nicht als Julia Huber, sondern als Inhaberin, Einkäuferin und Vertrieblerin.“ Den Unterschied machen ihr zufolge nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Expertise und die Begeisterung, die sie mitbringt. „Es gibt viele tolle und enthusiastische Kinderschuhverkäuferinnen und -verkäufer, aber viele sind in den letzten Jahren bereits ausgeschieden und es fehlen im Kinderbereich Nachwuchskräfte. Vielerorts ist einfach zu wenig Personal auf den Flächen zu finden, sei es aus Kostengründen oder aufgrund fehlender qualifizierter Fachkräfte. Kinderschuhe zu bedienen, ist speziell – das muss man wollen.“ Und nur mit eben dieser Einsatzbereitschaft könne man sich neben dem Geschäft auch auf das konzentrieren, worauf es am meisten ankommt: „Es geht nämlich auch darum, zuzuhören, da zu sein und Zeit zu haben. Und das ist bei größeren Unternehmen meist nicht gegeben, denn Zeit kostet Geld.“ Hier sieht Huber den bedeutenden Unterschied zu großen Filialisten. „In diesem Fall ist das mein Geld, und ich glaube, dass Zeit wichtig ist, um den Kunden abzuholen. Ich glaube, wenn ich mir die Zeit nehme, dem Kunden zuhöre und ihm die Beratung geben kann, die er braucht: dann kommt er auch wieder.“