Mit der geplanten Schließung des Logistikzentrums in Erfurt hat Zalando für Kontroversen gesorgt. Der Standort soll im September 2026 vom Netz gehen. Betroffen sind rund 2.700 Beschäftigte. Mit Bekanntwerden der Entscheidung im Januar hatte der Berliner Onlinehändler versichert, dass es bei dieser Maßnahme bleiben soll: Weitere Schließungen werde es in Deutschland nicht geben.
Die Schließung in Erfurt ist Teil der Neuaufstellung des europäischen Logistiknetzwerks nach der Übernahme von About You. Insgesamt sollen vier Logistikzentren in Europa geschlossen werden. Zalando begründet den Schritt mit notwendigen Kapazitätsanpassungen. „Es war wahrscheinlich eine der schwersten Entscheidungen, die wir je treffen mussten“, erklärte Schröter. „Gleichzeitig war sie notwendig, um sicherzustellen, dass wir die Kapazitäten dem zukünftigen Wachstumsbedarf anpassen.“
Für die Beschäftigten in Erfurt hatte das Unternehmen Unterstützung angekündigt. Demnach laufen die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern, außerdem sollen gemeinsam mit der Arbeitsagentur Jobangebote vermittelt werden. Einzelne Mitarbeitende seien bereits an andere Standorte gewechselt. Parallel dazu soll mit dem Betriebsrat ein Sozialplan verhandelt werden.
An diesem Punkt zeigt sich jedoch, dass der Prozess alles andere als geräuschlos verläuft. Der Betriebsrat in Erfurt drängt weiter auf Antworten der Geschäftsführung und fordert Klarheit über wirtschaftliche Kennziffern, Rückstellungen und die Zukunft des Standorts. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung fehlen bislang zentrale Informationen als Grundlage für die Verhandlungen. Zudem wirft der Betriebsrat dem Unternehmen vor, nicht direkt verhandeln zu wollen und stattdessen auf eine Einigungsstelle zu setzen. Das wurde bei einer Betriebsratssitzung am 15. April, an der laut Medienberichten 1.500 Mitarbeitende teilgenommen haben sollen, deutlich.
Zalando hält dagegen und bezeichnet die Einigungsstelle als sinnvollen, neutral moderierten Rahmen für sachliche Verhandlungen über einen fairen Sozialplan. Das Unternehmen weist zudem erneut den Vorwurf zurück, es habe tragfähige Alternativen zur Schließung gegeben. Eine Verkleinerung oder Modernisierung des Standorts sei weder wirtschaftlich sinnvoll gewesen, noch hätte sie das Problem der Überkapazitäten im Netzwerk gelöst.
Während in Erfurt um Sozialplan, Mitbestimmung und Perspektiven gerungen wird, präsentiert sich Zalando operativ in robuster Verfassung. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte der Konzern seinen Umsatz um 16,8 Prozent auf 12,3 Mrd. Euro. Das bereinigte Ebit stieg auf 591 Mio. Euro. Der Nettogewinn lag mit 213 Mio. Euro zwar unter Vorjahr, insgesamt unterstreicht die Bilanz aber den wirtschaftlich stabilen Kurs des Unternehmens.
Für das weitere Wachstum setzt Zalando laut eigenen Angaben verstärkt auf Künstliche Intelligenz. So komme KI inzwischen in großem Stil in Marketing, Zahlungsabwicklung und Logistik zum Einsatz. Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich Kampagnenproduktion: Mittlerweile entstehen 90 % der Website-Kampagnen mithilfe von KI. Zudem habe sich die Produktivität in den Entwicklerteams erhöht. Auch die Kooperation mit Google zielt auf den nächsten Wachstumsschritt: Künftig soll Einkaufen verstärkt direkt über Chatbots ermöglicht werden.
Für Zalando ist die Stoßrichtung klar: Das Unternehmen will effizienter, datengetriebener und technologischer wachsen. Für Erfurt dagegen bleibt die Lage angespannt. Dort kämpfen Betriebsrat und Beschäftigte weiter um Transparenz, belastbare Verhandlungen und möglichst gute Lösungen für die Belegschaft.