Corona-Pandemie

Günter Althaus: „Die Dimensionen dieser Krise sind gigantisch“

Günter Althaus (Foto: Evolve Management Consult)
Günter Althaus (Foto: Evolve Management Consult)

Wird die Schuhbranche die Folgen der Corona-Pandemie bewältigen? schuhkurier fragte beim früheren ANWR-Vorstandsvorsitzenden Günter Althaus nach. Er ist Chef einer neuen Task Force zur beschleunigten Durchleitung von Liquiditätshilfen an die KMU.

Herr Althaus, was sollte die Schuhbranche (Handel und Industrie) jetzt tun, um die Krise einigermaßen zu überstehen?


Günter Althaus: Was jetzt zu tun ist, fängt im Kleinen an: Alle Kosten müssen auf den Prüfstand. Das bedeutet, Gespräche mit Vermietern, Gespräche mit Mitarbeitern etwa im Hinblick auf Überstunden oder Urlaubsregelungen, und der genaue Blick auf die Verbrauchskosten. Jeder Händler sollte möglichst bereits einen Antrag auf Kurzarbeitergeld gestellt haben. Auf Industrieseite stellt sich die Situation ähnlich dar.

Der Kern des Problems im Handel ist allerdings: Es fehlt dem Handel an Liquidität. Dafür müssen Lösungen gefunden werden. Die Dimensionen dieser Krise sind gigantisch. In der Bewältigung der Situation gibt Deutschland derzeit ein ganz schwaches Bild ab: Es gibt keine einheitliche Koordination. Auch sind manche Entscheidungen nicht nachvollziehbar. Dass Friseure geöffnet bleiben dürfen, Schuh- und Modegeschäfte aber nicht, ist für mich völlig unverständlich.

 

Wie sieht die Branche in sechs Monaten aus?


Der Darwinsche Prozess, den ich 2018 beschrieben habe, wird sich leider beschleunigen. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass es immer wieder äußere Einflussfaktoren gegeben hat, die solche Veränderungsprozesse vorangetrieben haben. Es ist auf Unternehmensseite wie bei den Menschen selbst. Wer ein gutes Immunsystem hat, wird es schaffen. Bedauerlich finde ich, dass wir in der Schuhbranche das Thema Spezialisierung weitgehend verschlafen haben. Spezialisierte Unternehmen haben es leichter in dieser Situation.

Die Corona-Krise wird die Schuhbranche doppelt treffen, weil die Unternehmen nicht zu Partnerschaft in der Lage sind. Es herrscht insbesondere im Verhältnis von Lieferant und Handel eine permanente Misstrauenskultur, die die Überwindung der Situation noch zusätzlich erschwert.

 

Wann wird sich der Schuhmarkt von dieser Krise erholt haben?


Die Geschäftsjahre 2020 und 2021 sind kaputt. Den jetzt verloren gehenden Umsatz wird keiner mehr nachholen. Die Branche wird also schrumpfen. Unter normalen Bedingungen könnte man erwarten, dass sich 2021 eine gewisse Bodenbildung abzeichnet. Diese kann sich aber noch deutlich nach hinten verschieben.

Petra Steinke / 18.03.2020 - 17:04 Uhr

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