Modehandelskongress

Jens Beining: „Hochmut kommt vor dem Fall“

Jens Beining (Foto: Redaktion)
Jens Beining (Foto: Redaktion)

Im Rahmen des Modehandelskongress bezog Jens Beining Stellung zu aktuellen Themen. Der CEO der Wortmann-Gruppe sprach Klartext – und sparte nicht mit Kritik.

Onlinehandel: „Es gibt eine klare Beschleunigung der Verlagerung des Konsums in Richtung Onlinehandel. Die Dimension dieses Shifts ist zum Teil extrem. Für uns ist jedoch weiterhin der stationäre Handel extrem wichtig. Hier werden unsere Marken für die Kundinnen erlebbar. Daher werden wir unsere Partner auch weiterhin bestmöglich unterstützen und anbieten, an konkreten Themen den stationären Handel weiterzuentwickeln.“

Vermieter: „Wir haben in den vergangenen Monaten viele intensive Gespräche geführt. Und konnten für unsere Partner zum Teil auch gute Lösungen mit den Vermietern finden. Es hat mich ehrlich gesagt entsetzt, mit welcher Arroganz so mancher Großvermieter agiert. Mietern zu sagen, man solle doch in Planinsolvenz gehen, dann können man reden, ist mehr als eine Frechheit. Hochmut kommt vor dem Fall. Die Mieten, die vor Corona vereinbart wurden, sind nicht mehr haltbar.“

Konzentration: „Obwohl ich grundsätzlich Optimist bin, befürchte ich für Anfang 2021 einen größeren Rutsch im Handel. Es ist leider nicht abzusehen, dass die Umsätze im Februar und März besser werden als sie derzeit sind. Aktuell gehen wir davon aus, dass wir zum Zuge der Corona-Krise international 20% bis 25% der Unternehmen im Markt verlieren werden.“

Kurzarbeit: „Wir haben zu keinem Zeitpunkt Kurzarbeit beantragt. Das war mir sehr wichtig. Ich habe vielmehr die Devise ausgegeben ’Jetzt erst recht!‘. Corona ist ein Brandbeschleuniger von Themen, die unsere Branche schon vorher zu meistern hatte. Was sonst in drei Jahren passiert wäre, passiert jetzt in fünf Monaten. Dafür müssen wir Projekte und Umstrukturierungen deutlich schneller und nicht langsamer umsetzen. Darum musste die ganze Kraft im Unternehmen bleiben. Ich bin überzeugt, dass wir die Chance haben, gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen. Es wird sich jedoch wohl erst 2021 oder 2022 zeigen, ob diese Strategie richtig war.“

Plattformen: „Dass stationäre Händler ihre Waren über Plattformen vermarkten, mag der aktuellen Bestandssituation geschuldet sein. Es muss aber allen, die das machen, ganz klar sein, dass sie damit ihren direkten Wettbewerb massiv stärken und sich selbst langfristig nur schwächen. Das ist langfristig der Sargnagel des selbständigen stationären Handels. Lockangebote mit provisionsfreien Zeiten, mögen auf dem ersten Blick hoch partnerschaftlich daher kommen, sind aber ein gezielter Angriff auf den stationären Handel.“

Alle Aussagen von Jens Beining vom Modehandelskongress lesen Sie ungekürzt im aktuellen ePaper von schuhkurier.

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Helge Neumann / 02.12.2020 - 11:11 Uhr

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