Hachmeister + Partner

Klaus Harnack: „Wir brauchen eine strategische Allianz“

Klaus Harnack von Hachmeister + Partner (Foto: Redaktion)
Klaus Harnack von Hachmeister + Partner (Foto: Redaktion)

Die Corona-Krise ist eine existenzielle Bedrohung für Handel und Hersteller, ist Klaus Harnack überzeugt. Um das Schlimmste abzuwenden, fordert der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner die Gründung einer branchenübergreifenden, strategischen Allianz. 

Die behördlich verfügten Ladenschließungen stellten ein vorübergehendes Verbot der Geschäftsausübung im stationären Einzelhandel dar, sagt Klaus Harnack. „Die aufgrund der aktuellen Situation entfallenden Umsätze sind endgültig verloren und auch nach Wiedereröffnung des Handels werden weitere Umsätze verloren gehen. Die Umsätze im Konsumhandel werden nicht nachgeholt werden können“, ist der Experte überzeugt. Die Liquidität vieler Unternehmen sei bereits aufgebraucht oder werde es bei den meisten innerhalb weniger Wochen sein. Klaus Harnack: „Die verlorene Liquidität muss durch Zuführung neuer liquider Mittel auf allen Stufen der Wertschöpfungskette ausgeglichen und der Geldfluss muss wieder in Gang gesetzt werden. Ansonsten wird es zu einem vollständigen und endgültigen Systemversagen der Wertschöpfungskette kommen, das alle mitreißen wird, auch diejenigen, die zunächst noch die unmittelbare Störung der Krise überstehen sollten.“

„Insolvenzwelle abwenden“

Vor diesem Hintergrund hat Hachmeister + Partner in Kooperation mit der Katag AG als führender Verbundgruppe der Textilbranche und den Handelsverbänden BTE (Bundesverband des deutschen textilen Einzelhandels), BDSE (Handelsverband Schuhe) und BLE (Handelsverband Lederwaren) ein Thesenpapier erstellt. „Im Kern geht es in diesem Papier um die Realisierung eines Ausgleichs für Vermögensschäden in Form echter Zuschüsse für die von der Covid-19 Krise betroffenen innerstädtischen Branchen Bekleidung, Sport, Schuhe, Lederwaren und Gastronomie. Aufgrund der zu erwartenden Rentabilitätseinbrüche in 2020 und in 2021 werden Kredite nicht ausreichen, um eine Insolvenzwelle nie dagewesenen Ausmaßes abzuwenden“, heißt es darin. Es brauche eine branchenübergreifende strategische Allianz, die von führenden Marktteilnehmern getragen werde und eine Task Force als steuernde Kraft zur Durchsetzung der Ziele. Darüber hinaus brauche es eine intensive Einbindung von Politik, weil die betroffenen Branchen das Problem aus sich heraus nicht lösen könnten. Unterstützend sei eine intensive mediale Kampagne erforderlich, um die notwendige Aufmerksamkeit zu erreichen.

„Unternehmen müssen entschädigt werden“

Zur Bewältigung der Kernprobleme Ware, Liquidität, Rentabilität und Konsumzurückhaltung sei ein „Grundkonsens“ zwischen Handel und Industrie notwendig. „Es sind (hoffentlich) nur noch wenige Wochen Zeit, bis sich beweisen wird, ob unsere arbeitsteilig organisierte Branche in der Lage ist, gemeinsam zu handeln und chancenorientierte Lösungen umzusetzen oder ob wir gezwungen werden, den vertikalen Anbietern und dem Onlinehandel das Heft des Handels weitgehend zu überlassen“, heißt es in dem Thesenpapier. Dabei stehe fest: Allein aus sich selbst heraus könne die Branche die Krise nicht bewältigen. Die Unterstützung der Politik sei zwingend notwendig. „Die von den Geschäftsschließungen unmittelbar betroffenen Handelsunternehmen und die mittelbar betroffenen Industrieunternehmen müssen deshalb für die erlittenen Vermögensschäden entschädigt werden!“

Helge Neumann / 09.04.2020 - 09:51 Uhr

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