Allbirds, bekannt für minimalistische Woll-Sneaker, vollzieht eine überraschende Kehrtwende: Das Unternehmen kündigte an, sich künftig vollständig auf künstliche Intelligenz zu konzentrieren und firmiert in diesem Zuge in „Newbird AI“ um. An der Börse sorgte die Nachricht für einen sprunghaften Anstieg – die Aktie legte zeitweise um 582 % zu.
Der Strategiewechsel kommt nach schwierigen Jahren für die Marke. Einst mit rund 4 Mrd. US-Dollar bewertet, hatte Allbirds seit 2021 rund 99 % seines Börsenwerts verloren. Zuletzt hatte das Unternehmen zudem den Verkauf an eine Markenmanagement-Firma angekündigt: Geistiges Eigentum und Footwear-Assets sollen für 39 Mio. US-Dollar an die American Exchange Group verkauft werden. Die Markenrechte sollen weiterhin genutzt werden – künftig unter der Regie des Brand-Management-Spezialisten.
Parallel dazu richtet sich Allbirds technologisch neu aus. Mit einer Finanzierungsvereinbarung über 50 Mio. US-Dollar mit einem nicht genannten Investor plant das Unternehmen den Einstieg in den Bereich KI. Ziel sei es, sich langfristig als Cloud-Service-Anbieter zu positionieren. In einer Stellungnahme heißt es: „Der Aufschwung bei der Entwicklung und Einführung von KI hat zu einem beispiellosen strukturellen Bedarf an spezialisierten Hochleistungsrechnern geführt, den der Markt nur schwer decken kann“, und weiter: „Newbird AI wurde entwickelt, um diese Lücke zu schließen.“
Die bisherige Ausrichtung als nachhaltigkeitsorientiertes Unternehmen soll aufgegeben werden. Laut offiziellen Unterlagen werde man künftig „weniger auf den öffentlichen Nutzen des Umweltschutzes ausgerichtet“ sein.
Der Schritt markiert einen tiefgreifenden Bruch mit der bisherigen Marken-DNA. Allbirds hatte sich über Jahre als umweltbewusste Schuhmarke positioniert und prominente Unterstützer gewonnen. Dennoch geriet das Unternehmen zuletzt zunehmend unter Druck: sinkende Umsätze, Verluste in Millionenhöhe und die Schließung der letzten US-Filialen Anfang des Jahres kennzeichneten den Weg des Anbieters.
Die Börse reagierte zunächst positiv auf die Neuausrichtung: Die Aktie stieg zwischenzeitlich auf 19,45 US-Dollar, schloss jedoch bei 16,99 US-Dollar, nachdem sie am Vortag noch bei 2,49 US-Dollar gelegen hatte. Perspektivisch will das Unternehmen die Mittel nutzen, um Hochleistungs-GPU-Infrastruktur aufzubauen und mögliche Übernahmen zu prüfen.
Die Transaktion sowie die strategische Neuausrichtung stehen noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre. Eine entsprechende außerordentliche Hauptversammlung ist für den 18. Mai 2026 angesetzt. Sollte der Verkauf der Vermögenswerte genehmigt werden, ist für das dritte Quartal 2026 zudem eine Sonderdividende geplant.
Die Marke Allbirds selbst soll unter dem Dach von American Exchange weitergeführt werden. Künftig ist vorgesehen, das Geschäft über Lizenzpartner zu steuern, die Produkte unter dem bekannten Namen auf den Markt bringen.