Der Kölner Modeanbieter Armedangels sieht sich erheblicher Kritik ausgesetzt. Der Spiegel hatte Ende Mai unter dem Titel „Die toxische Geschichte hinter der nachhaltigen Jeans“ über massiven Druck und ein problematisches Klima innerhalb des Unternehmens berichtet.
Auf seiner Homepage hat das Modeunternehmen als Reaktion darauf ein längeres Statement veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: „Im Zusammenhang mit einer aktuellen Medienanfrage wurden uns Schilderungen ehemaliger und aktueller Mitarbeitender zu Führungsverhalten, Arbeitsbelastung, internen Abläufen und einzelnen Personalvorgängen vorgelegt. Einige dieser Vorgänge liegen mehrere Jahre zurück. Seitdem haben wir intern viele Themen aufgearbeitet, an vielen Stellen Veränderungen angestoßen und Prozesse neu aufgesetzt. Mit Abstand sehen wir manche Entscheidungen klarer. Rückblickend würden wir heutzutage in solchen Situationen anders vorgehen. Dass ehemalige Mitarbeitende ihre Zeit bei Armedangels teilweise als belastend oder enttäuschend erlebt haben, nehmen wir ernst.“
CEO Martin Höfeler erklärt zudem: „Wachstum hat uns an Stellen unklar und inkonsistent werden lassen, an denen wir konsequent hätten sein müssen. Zwischen dem, was wir nach außen kommunizieren – Transparenz, Verantwortung, Mut zur Veränderung – und dem, wie es sich für einzelne Mitarbeitende angefühlt hat, gab es eine Lücke. Ich persönlich trage dafür Verantwortung.“
Man habe die Organisation des Unternehmens bereits professionalisiert, People & Culture-Strukturen weiterentwickelt und Führungs- und Feedbackprozesse geschärft. Das Vertrauen der Mitarbeitenden zu schützen, sei „die Aufgabe meines Lebens“, so Höfeler weiter.
Auf Instagram erklärte Höfeler zudem in einem Post: „In den letzten Tagen haben wir viel Kritik erhalten. Ich habe die vergangenen zwei Wochen genutzt, um zuzuhören, zu reflektieren und mich zu fragen: Was ist falsch gelaufen? Wo haben wir Fehler gemacht? Und: Wo habe ich Fehler gemacht?“ Armedangels sei vor fast 20 Jahren gegründet worden „mit dem Willen, die Modeindustrie zu verändern“. Seitdem habe man jeden Tag versucht, „Entscheidungen nach unseren Werten zu treffen“. Daran werde sich nichts ändern. Zugleich wolle man sich der Verantwortung stellen. Man habe Menschen enttäuscht. „Das bedaure ich und dafür möchte ich mich entschuldigen“, so Höfeler weiter.
Die Reaktionen auf dieses Statement fallen unterschiedlich aus. Neben Zustimmung erfährt das Unternehmen auf Instagram auch weitere Kritik. „Es hat einen Vertrauensbruch gegeben, und ich glaube, dass es nun an euch liegt, diese Lücke wieder zu schließen – nicht nur durch Worte, sondern durch Transparenz, konkrete Maßnahmen und langfristige Veränderungen“, schreibt etwa ein User. Ein mutmaßlicher Lieferant schildert in einem Kommentar: „2009 habt Ihr bei uns Ware bestellt, als ihr noch Multilabels mitverkauft habt. Dann habt ihr den recht hohen Auftrag einfach storniert und uns auf den Kosten gelassen, obwohl wir alles fertig produziert hatten. Ihr wart schon damals auf euren Vorteil aus ohne auf die involvierten Menschen in der Wertschöpfung zu achten.“
Ein weiterer Kommentar beschreibt die Zusammenarbeit mit dem Handel: „Für uns Einzelhändler ist es auch extrem schwierig, da auch wir damit konfrontiert werden ob man die Marke noch bei uns kaufen kann.“ Weiter erklärt der User: „Wir verkaufen Eure Marke sehr gerne und wären froh, wenn Ihr Preisstabilität leben würdet: schöne, nachhaltige Mode braucht gute Beratung und keine Rabatte.“
Ein anderer User kritisiert (sic): „Ihr habt echt zwei Wochen für das da gebraucht? Ihr braucht nicht Coaching und danach weiterso, sondern radikale neue Strukturen. Wenn die derzeitige Struktur das Gift war, warum wollt ihr in ihnen bleiben? Macht den Laden flacher.“ Ablehnung äußert ein weiterer User so (sic): „Da hat Chatgpt klasse arbeit gemacht. Es ist nicht ein bisschen spürbar, dass wirklich reflektiert wurde. Und jeder der einmal mit AI gearbeitet hat, hört den ton da raus. Vielleicht mal anfangen ehrlich zu reflektieren, das wäre doch ein start.“
Es gibt aber auch positive Rückmeldungen und Unterstützung aus der Instagram-Community (sic): „Ich finde den Beitrag mutig und finde auch die Schritte mit dem Coach und den Mitarbeiter Umfragen super. Jemand Außenstehenden dazu zu holen (der nicht geholt wurde Zahlen zu optimieren), ist oftmals ein guter Weg in solchen Situationen. (…) Ich wünsche mir für Euch, dass ihr das schafft!“ Ein anderes Statement lautet: „Respekt für die offenen Worte und wir drücken die Daumen, dass es intern zu einer positiven Veränderung führt.“