Die aktuell wieder deutlich gestiegenen Preise haben mehrere Ursachen. Erste Verwerfungen waren bereits im vergangenen Jahr spürbar. Grund war ein Phänomen, das in Europa so gut wie niemand auf dem Zettel hatte: Im Sommer vergangenen Jahres sank der Wasserstand des Panama-Kanals, eine künstliche Wasserstraße in Mittelamerika, die Atlantik und Pazifik verbindet. Sie ist eine wichtige Route für den Schiffsverkehr zwischen Asien und der Ostküste der USA. Die geringe Wassermenge hatte zur Folge, dass Schiffe ihre Fracht reduzieren mussten, um den Tiefgang geringer zu halten. Es wurden also weniger Container geladen. Zugleich nutzten Transportunternehmen – die Carrier – die Route um das Kap der Guten Hoffnung im Süden Afrikas herum. Dieser Umweg sorgt dafür, dass Transporte zwei- bis dreimal so lange dauern; die Container-Kapazitäten sind entsprechend lange gebunden. Ein weiteres gravierendes Problem beeinträchtigt die Abläufe im internationalen Transportwesen: die Angriffe der Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf Schiffe, die das Rote Meer passieren. Auch sie zwingen die Carrier, Afrika komplett zu umfahren, was wiederum die Transportdauer empfindlich verlängert. Die Störungen der beiden Schifffahrtsrouten betrifft laut Experten etwa 95% der weltweiten Warentransporte. Carrier organisieren zwischen den Häfen sogenannte Loops, Kreislaufrouten, auf denen eine bestimmte Anzahl von Schiffen hin- und herfahren. Braucht die Fahrt von A nach B länger, müssen mehr Schiffe auf einem Loop eingesetzt werden, um die regelmäßige Lieferung sicherzustellen. Auch das zieht Kapazitätseffekte nach sich. Unter normalen Umständen wäre es für die Transportunternehmen nicht möglich, ohne Weiteres mehr Schiffe einzusetzen – einfach, weil sie keine weiteren besitzen.
Allerdings haben viele Carrier in Folge der Coronapandemie ihre Flotten mit Milliardeninvestitionen aufgestockt. Daraus resultierte zunächst die Sorge vor enormen Überkapazitäten angesichts der für dieses Jahr erwarteten Normalisierung der Situation. Dass es nun anders kam, wirkt sich für die Reedereien positiv aus: Da ihre Schiffe längere Routen zurücklegen müssen, die Frequenz aber konstant gehalten werden muss, können die neuen Schiffe eingesetzt werden