Die bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe eingegangene anonyme Anzeige gegen das Klingel-Management erhebt unter anderem den Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Gegenüber schuhkurier teilt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit, die Anzeige an ihre Zweigstelle in Pforzheim weitergegeben zu haben, weil das Unternehmen Klingel dort ansässig ist. Die Prüfung der Anzeige durch die Staatsanwaltschaft Pforzheim steht noch aus.
Nachdem der Gläubiger-Ausschuss des insolventen Omnichannel-Händlers mit Zustimmung des Sachwalters Martin Mucha entschieden hatte, den Geschäftsbetrieb der Klingel Gruppe zu Ende Januar 2024 einzustellen, sitzt der Schock in der Schuh- und Modebranche tief. Lieferanten hatten auf eine Fortführung des Unternehmens gehofft; größere Aufträge zur kommenden Saison standen im Raum.
An dem Vorgehen der Verantwortlichen gibt es unterdessen scharfe Kritik. Man sei „fassungslos“, heißt es in einer Mitteilung des Betriebsrats. Dass das Unternehmen in unruhigem Fahrwasser war, sei bekannt gewesen, nicht aber, wie prekär die Situation tatsächlich gewesen sei. Es sei „unbegreiflich, wie vor diesem Hintergrund von Seiten der bisherigen Geschäftsleitung bislang wiederholt völlig realitätsfremde optimistische Zukunftsprognosen gemacht werden konnten.“
Trotz intensiver Bemühungen habe man keinen Investor finden können, der die Gruppe auf Basis der bereits ausgearbeiteten Sanierungskonzepte fortführen möchte, hieß es Ende August in einer Mitteilung des Unternehmens. 1.300 Mitarbeitende sind von der Entscheidung betroffen.