Die unterschwellig in dem – von südeuropäischen Herstellerverbänden lautstark begrüßten – Papier vorhandene Gleichsetzung „europäischer Ursprung = risikofreie Ware“ ist nicht nur in Zeiten der globalen Warenflüsse unzulässig protektionistisch, sondern nach BDSE-Meinung auch falsch. Der BDSE hat sich daher immer – übrigens im Einklang mit dem Industrieverband HDS – gegen eine verpflichtende Ursprungs-Kennzeichnung ausgesprochen. Der BDSE wird auch weiterhin über seinen Handels-Dachverband HDE, seine Mitgliedschaft im europäischen Schuheinzelhandelsverband CEDDEC und über die europäische Vertretung des Handels in EuroCommerce gegen dieses Vorhaben argumentieren.
Denn es ist zu befürchten, dass über eine verpflichtende Ursprungskennzeichnung außerhalb der EU gefertigte Schuhe in der Verbrauchersicht abgewertet werden, und das zu Unrecht. Immerhin drei Viertel des Schuhbedarfs in Deutschland werden in asiatischen Werken produziert. Lediglich etwa 5 Prozent der hierzulande verkauften Schuhe sind in Deutschland hergestellt, davon viele nur noch im Rahmen der Endmontage mit im Ausland vorproduziertem Oberschuh. Dies ist das Ergebnis einer von vielen Schuhmarken frühzeitig eingeleiteten internationalen und effizienten Arbeitsteilung, die letztlich auch den Verbrauchern zugutekommt. Ein Prozess, den die südeuropäische Schuhindustrie weitgehend verschlafen hat und seit Jahren über protektionistische Einflussnahme auf die Brüsseler Politik zu “korrigieren” versucht.
Entscheidend ist nach Meinung des BDSE aber nicht der Ort der Fertigung, sondern wo und bei wem die Verantwortung für Qualität und Qualitätsüberwachung, Passform und Design liegen. Diese “Made in Germany”-Version wäre nach dem derzeitigen EU-Entwurf aber nicht möglich.
Es muss davon ausgegangen werden, dass die verpflichtende “Made in”-Kennzeichnung angesichts der breiten Mehrheit an Befürwortern im EU-Parlament den Weg durch die europäischen Gremien schaffen wird. Die Skandale in anderen Konsumgütermärkten – an erster Stelle die Lebensmittelbranche – machen zurzeit leider Stimmung für derartige Maßnahmen.