Nachhaltigkeit bleibt den Deutschen wichtig: Ganze 73% der Konsumenten in Deutschland glauben, dass sie durch ihr eigenes Verhalten zum Klimaschutz beitragen können. Doch gleichzeitig befindet sich der Gfk-Nachhaltigkeitsindex damit auf seinen Tiefststand. Seit der Erhebung im Februar 2022 ist der Index im Oktober auf 92,7 Punkte gesunken.
Der Veranstalter der Studie, die Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk), betont dabei die Bedeutung der anhaltenden aktuellen Krisen. Nicht zuletzt die Inflation sowie die Angst vor Arbeitslosigkeit würde die Bereitschaft für nachhaltigen Konsum dämpfen. „Die aktuelle Situation zeigt, dass nachhaltiger Konsum zunehmend eine Frage des Einkommens wird“, sagt Petra Süptitz, Nachhaltigkeitsexpertin bei Gfk. „Es sind vor allem Menschen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro und mehr, die bereit sind, unter Nachhaltigkeitsaspekten einzukaufen.“
Diese Wahrnehmung spiegelt sich auch in den Studienergebnissen wieder: Der Index für nachhaltige größere Anschaffungen sank von 100,8 im Vormonat auf 91,8 Punkte im Oktober. Die Anteil an Befragten, die in den letzten Monaten nachhaltige Produkte gekauft haben, sank von 28% auf 26%. Größtes Hindernis seien dagegen die sogenannten FMCG-Produkte (Fast Moving Consumer Goods, also Waren mit besonders hohem Umschlag). Hier sank die Bereitschaft zum nachhaltigen Kauf von 72% auf 69%. Bei FMCG-Produkten wollen 63% der Verbraucher für Nachhaltigkeit tiefer in die Tasche greifen, bei größeren Anschaffungen sind es 67%.
Die Barrieren für nachhaltiges Handeln seien für viele zu präsent. Vor allem zugunsten des Komforts werde gerne auf Nachhaltigkeit verzichtet. Dabei ist der Klimawandel laut der Gfk-Studie Consumer Life eine der drei größten Sorgen in Deutschland. „Obwohl drei Viertel der Menschen weiterhin glauben, dass sie mit ihrem Konsumverhalten zum Klimaschutz beitragen können, sind sie zunehmend krisenmüde“, sagt Petra Süptitz. „Fast die Hälfte der Studienteilnehmer ist überzeugt, dass es nichts bringt, wenn sie selbst umweltfreundlich handeln, aber andere nicht. Daher ist es wichtig, dass auch Unternehmen die Menschen für Veränderungen ihres Lebensstils begeistern, um das Gefühl der Selbstwirksamkeit zu stärken.“