Die wirtschaftlichen Perspektiven des deutschen Mittelstands bleiben eingetrübt. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage des Bundesverbands Kooperierender Mittelstand berichten jeweils 50 % der befragten Verbundgruppen für das erste Halbjahr 2026 von rückläufigen Umsätzen und einer verschlechterten Ertragslage. Auch für die zweite Jahreshälfte überwiegt der Pessimismus: 48 % rechnen mit sinkenden Umsätzen, 41 % erwarten weitere Ertragsrückgänge.
Besonders kritisch beurteilen die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. So glauben 87 % der Befragten nicht daran, dass die angekündigten Reformen bei Steuern, Sozialabgaben und Arbeitsmarkt kurzfristig wirksam umgesetzt werden. Zudem halten 86 % selbstständiges Unternehmertum unter den aktuellen Bedingungen für kaum oder gar nicht attraktiv.
BKM-Präsident Günter Althaus sieht darin ein deutliches Warnsignal: „Die aktuellen Umfrageergebnisse sind ein klares Signal, dass wir eine wirtschaftspolitische Kehrtwende brauchen. Wenn der Glaube an die politische Reformkraft schwindet und das Unternehmertum an Attraktivität verliert, ist die Substanz unseres Wirtschaftsstandorts bedroht. Der Mittelstand benötigt jetzt keine punktuellen Kompromisse, sondern verlässliche Rahmenbedingungen und eine spürbare, strukturelle Entlastung in der Breite – insbesondere bei der Bürokratie und den Energiekosten. Nur durch entschlossenes und zügiges Handeln der Bundesregierung gewinnen die Unternehmen die nötige Planungssicherheit zurück.“
Die angespannte Lage wirkt sich zunehmend auf die angeschlossenen mittelständischen Betriebe aus. Mehr als die Hälfte der Verbundgruppen (52 %) beobachtet eine rückläufige wirtschaftliche Entwicklung ihrer Mitgliedsunternehmen. Bei 44 % der Kooperationen ist die Zahl der Anschlusshäuser bereits gesunken.
Als größte Wachstumshemmnisse nennen die Unternehmen die hohe Bürokratielast (55 %), die Energiekosten (51 %) sowie die Steuer- und Abgabenbelastung (38 %). Gleichzeitig bleibt die Investitionsbereitschaft vergleichsweise stabil: Rund die Hälfte der Unternehmen hielt ihre Investitionen im ersten Halbjahr konstant, 22 % investierten sogar mehr. Für das zweite Halbjahr planen 29 % steigende Investitionsbudgets. Der BKM mahnt jedoch an, dass hierfür verlässliche politische Rahmenbedingungen erforderlich seien.
Auch die Bilanz der Bundesregierung fällt aus Sicht der Unternehmen ernüchternd aus. 45 % der Befragten sehen eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit dem Regierungsantritt, 47 % erkennen keine Veränderung. Lediglich sechs Prozent bewerten die Entwicklung positiv.
An der BKM-Konjunkturumfrage für das erste Halbjahr 2026 beteiligten sich 53 Verbundgruppenzentralen mit rund 50.000 angeschlossenen Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Der Bundesverband Kooperierender Mittelstand vertritt nach eigenen Angaben mehr als 250 Verbundgruppen mit rund 200.000 mittelständischen Unternehmen.