Wer sich als Tourist oder Einheimischer in Düsseldorf nach Quartieren umhört, die einen Blick und einen Spaziergang wert sein sollen, der wird immer wieder auf eine Empfehlung stoßen. Die Lorettostraße, gemeinsam mit ihren umliegenden Straßen als Lorettoviertel oder kurz „Lo“ bekannt, hat alles, wonach man sich sehnt. Dort betreiben viele Einzelhändler ihre Geschäfte, es gibt Orte für Kunstschaffende und interessante Gastronomiekonzepte. Alte Fassaden und Ladenfronten laden zum Flanieren ein. Die Umgebung im Stadtteil Unterbilk hat sich abseits der Königsallee und der Altstadt so sehr als Geheimtipp etabliert, dass sie nicht mehr wirklich ein Geheimtipp ist. Sogar die Tourismusagentur von Düsseldorf eröffnet ihren Text über die sehenswertesten Straßen der Stadt mit einem Bild der Lorettostraße. So viele Stimmen können nicht irren. Ich selbst bin natürlich schon mal dort gewesen, habe mich aber noch nie so ganz auf die Atmosphäre des Viertels eingelassen. Mal in der eigenen Stadt eine Straße zu besuchen, als sei man Tourist, sorgt für einen interessanten Perspektivwechsel. Außerdem bietet sich mir so die Gelegenheit, die Händlerinnen und Händler zu fragen, was das Lorettoviertel richtig macht und was andere Quartiere von ihm lernen können.
Schöne Architektur und Einrichtung
Meine Reise beginnt vielversprechend mit einem „Brookie“. So heißt die Kreuzung zwischen Cookie und Brownie, die bei Big B – The Brownie Bakery serviert wird. Ich werde vom Filialleiter begrüßt, als sei ich Stammkunde. Der Geruch von Cookies, Brownies und Brookies lockt genauso ins Geschäft wie die edle schwarze-goldene Fassade und die handwerkliche Inneneinrichtung. Viel altmodischer Charme und Produkte, die man nicht überall findet: Das lässt sich im Lorettoviertel immer wieder erkennen.
Seien es die vielen Innenhöfe, die zum Umweg motivieren, oder die interessanten Konzepte: Auf der anderen Straßenseite standen sich an der Kreuzung lange zwei Geschäfte mit einem großen H und einem großen K als Logo gegenüber. Die Bar mit dem K ist mittlerweile geschlossen, der Standort steht leer. Hinter dem H verbirgt sich das Modegeschäft von Karin Hammermann. Sie ist neben ihrer Tätigkeit im Geschäft auch Vorstand des Lorettoviertel e.V., dem 2018 gegründeten Nachbarschaftsverein, über den der Austausch untereinander organisiert werden soll. Wenn mir jemand verraten kann, was das Lorettoviertel so besonders macht, dann sollte ich bei ihr an der richtigen Stelle sein. So wirklich kann sie die Frage aber auch nicht beantworten: „Dass das Lorettoviertel auch bei Menschen von außerhalb so beliebt wurde, war ein schleichender Prozess, den wir währenddessen gar nicht so wahrgenommen haben. Das war auch nicht bewusst und ließ sich irgendwann gar nicht mehr aufhalten, wenn die Leute einmal was gefunden haben, was ihnen Spaß macht.“
Straßenfeste als Marketingtool
Doch schnell kommt sie auf das Straßenfest zu sprechen. Dieses findet dreimal im Jahr statt und ist Umsatzbringer und Marketingmaßnahme zugleich. Die Gastronomen vor Ort stellen Stände auf und verkaufen ihre Spezialitäten – externe Stände gibt es bewusst nur vereinzelt. DJs sorgen für gute Laune und Händler haben bis Mitternacht geöffnet und profitieren von der kollektiven Lust aufs Bummeln. Zuletzt im April war es besonders voll, fiel das Fest immerhin auf den ersten sonnigen Tag im Jahr. Die inhabergeführten Geschäfte und außergewöhnlichen Gastronomiekonzepte machen das Fest besuchenswert und das Event wiederum macht Werbung dafür, sich die Geschäfte ein anderes Mal in Ruhe anzuschauen. Beides befruchtet sich gegenseitig, sodass jetzt kaum noch groß geworben werden muss, erzählt Hammermann: „Wir haben beim letzten Mal nur 20 Euro für Social Media-Werbung ins Straßenfest investiert. Dann teilt das jeder mit seinen Bekannten und die Straße wird von Jahr zu Jahr voller.“ Und das wirke sich auch auf die Frequenz im Jahr über aus, sagt sie weiter: „Wir merken auch abseits des Straßenfestes, dass viele von außerhalb der Stadt ins Lorettoviertel kommen, weil sie googeln, wo sie gut shoppen gehen können, und uns finden.“ Das sei wichtig, weil der Stadtteil Unterbilk von sich aus nur wenig Laufkundschaft anlockt. Es braucht eben einen Grund, um herzukommen.