Aus einem Aufruf wurde ein Austausch. Am 6. Juli kommunizierten rund 100 Schuhhändler auf die Initiative von Roman Degenhardt, Ingo Hänel und Ulrich Volk hin in einem Schreiben ihre Sorgen und Nöte und ihre Wünsche an die Industrie. Abgeschlossen wurde das Schreiben mit einer Einladung: „Lassen Sie uns sofort ins Gespräch kommen.“ Sofort bedeutet in diesem Fall ziemlich genau zwei Monate, denn am 4. September kam es zum gewünschten Gespräch. Während der ANWR Order No. 2 fand auf dem Campus Mainhausen ein Treffen zwischen 41 Vertretern aus Handel und Industrie statt. Die Industrieseite hat die Einladung zum Austausch augenscheinlich ernstgenommen, so waren laut Stimmen aus dem Teilnehmerkreis fast alle großen deutschen Schuhhersteller bei dem Austausch anwesend. Insgesamt, so erläutert es die Initiative, haben 22 Vertreterinnen und Vertreter der Industrie an dem Gespräch teilgenommen, elf Anwesende haben den Handel vertreten, dazu gesellten sich BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels, HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert und die Geschäftsführer von SABU und ANWR. „Wir sind stolz und froh, dass so viele hochrangige Vertreter unserer Branche unserem Aufruf gefolgt sind“, resümiert Ingo Hänel. Für die Gesprächsrunde wurden einige Themenfelder definiert, für die die Branche konkret gemeinsam Lösungen erarbeiten müsse. Dazu gehören die Digitalisierung und das Datenmanagement, die Effizienz und Ertragskraft und die grundsätzliche Zusammenarbeit und das Standing der Schuhbranche. Ulrich Volk gibt sich gegenüber schuhkurier sehr zufrieden mit der Bereitschaft zur Zusammenarbeit von allen Seiten: „Es hat gezeigt, dass wir den Nagel auf den Kopf getroffen haben.“ In der rund dreistündigen Gesprächsrunde wurde nicht die Schuhbranche neu erfunden, doch es war der gewünschte Aufschlag, der groß genug war, um die Branche zusammenzubringen, und eine dringend benötigte Grundlage. Nun könne gemeinsam langfristig und nachhaltig an den Herausforderungen gearbeitet werden. Dass man es nicht bei dem einen Treffen belässt, sei der große Wunsch von Handel und Industrie. „Natürlich sind wir nicht bei allen Themen einer Meinung“, betont Roman Degenhardt: „Um aber die Branche gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, müssen wir die Kräfte bündeln. Darin waren sich alle einig.“ Das wird auch von Herstellerseite bestätigt. „Ein guter Tag, es hat sich gelohnt, dabei zu sein“, so der Vertreter eines Schuhfabrikanten.
Zuspruch zu mehr Zusammenarbeit ist groß
Diese Einigkeit kommunizierten auch die Verbandsvertreter Rolf Pangels und Manfred Junkert, als sie sich während der Shoes Düsseldorf noch vor dem Treffen zur Initiative äußerten. „Wir finden den konstruktiven Austausch positiv. Da müssen sich die Verbände nicht reinhängen. Die Händler haben dargelegt, wo strukturelle Nachteile und Nöte liegen“, begrüßt Pangels, dass sich in der Branche aktuell ein Klima der gemeinsamen und konstruktiven Arbeit entwickelt. Laut Manfred Junkert gebe es bereits viel Austausch. Doch weil die beiden Seiten voneinander abhängig seien, sei es notwendig, die Sichtweisen auszutauschen und auf die Probleme der anderen Seite einzugehen: „Die Industrie kennt die Sorgen und Nöte des Handels sehr gut. Wir sind im ständigen Kontakt. Die Probleme des Handels betreffen uns alle. Gespräche sind immer gut. Manches ist natürlich auf diesem Weg nicht lösbar, z.B. internationale Themen oder auch politische.“ Dabei sei wichtig, dass nicht nur eine Seite Forderungen an die andere stellt: „Die Industrie hat auch Wünsche an den Handel, etwa im Bereich Digitalisierung und Datenaustausch.“