Die SABU GmbH will diesen Ansatz nun in der Praxis testen. Krug wünscht sich zwei oder drei Händler und ebenso viele Lieferanten, die bereit sind, ein solches Modell unter realen Bedingungen auszuprobieren. Gespräche laufen bereits. Wichtig sei, dass die beteiligten Partner technisch in der Lage sind, Daten zu liefern, Bestände zu steuern und Nachlieferprozesse zuverlässig abzubilden. „Nach sechs oder zwölf Monaten können wir Bilanz ziehen und beurteilen, ob der Praxistest den Mehrwert gebracht hat, den wir uns erhoffen“, so Krug. Dabei geht es nicht nur um einzelne Liefertermine, sondern um eine grundsätzliche Professionalisierung der Wertschöpfungskette. Händler müssten ihre Bedarfe nach Warengruppen und Saisonverlauf genauer analysieren. Lieferanten müssten verbindlichere Zeitfenster anbieten. Liefertermine wie „im März“ plus großzügige Nachlieferfrist hält Krug für nicht mehr zeitgemäß: „Dann ergibt sich ein Lieferfenster von 51 Tagen. Wie will man das vernünftig einplanen?“ Mindestens die erste oder zweite Monatshälfte müsse definiert sein, besser seien Dekaden oder Kalenderwochen.
Der Ton ist deutlich, weil die Lage ernst ist. Verspätete Ware sei heute nicht mehr nur ärgerlich, sondern existenziell problematisch. „Dann nützen auch 10 % Rabatt nichts“, sagt Krug. Wenn ein Händler zehn, 15 oder 20 % Abverkauf verpasse, lasse sich das nicht mehr aufholen. Die Folge seien höhere Abschriften, gebundenes Kapital oder Ware, die eingelagert werden müsse. In Zeiten schwacher Renditen könne sich der Handel das immer weniger leisten. Gleichzeitig sieht Krug auch den Handel in der Pflicht. Wer das Geschäft professionell betreiben wolle, müsse konsequenter auftreten. „Die richtige Ware muss am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt sein – und in der richtigen Anzahl.“ Dazu gehöre nicht nur die Lieferkette bis zum Händler, sondern auch die letzte Meile vom Zentrallager in die Filiale. Auch dort müsse die Steuerung stimmen. Für die Industrie ist der Paradigmenwechsel ebenfalls anspruchsvoll. Weniger Vororder und mehr Nachorder bedeuten höhere Anforderungen an Planung, Bevorratung und Liquidität. Doch Krug sieht darin auch eine Chance: Wer als Lieferant mit Weitsicht und Mut vorangehe, könne sich vom austauschbaren Wettbewerb abheben. „Sneaker können einige. Aber dann kaufe ich ihn eben bei der Marke, die mein strategischer Partner ist.“
Die Studie ist damit weniger Abschluss als Startpunkt. SABU will nun tiefer in die Händlerseite einsteigen und parallel Gespräche mit Lieferanten führen. Das Fazit des SABU-Geschäftsführers fällt klar aus: Ohne eine bedarfsgerechtere Wareneinsteuerung, mehr Daten, verbindliche Lieferfenster und echte Risikoteilung werde es schwer, den Schuhhandel betriebswirtschaftlich zukunftsfähig aufzustellen. „Ich bin felsenfest davon überzeugt: Wenn wir es nicht schaffen, näher an den Bedarf zu rücken und unsere Wertschöpfungskette zu optimieren, wird es für viele Konzepte extrem herausfordernd, künftig noch Schuhhandel betreiben zu können.“