Eine zeitgemäße Problemlösung wäre, weniger Winter- oder Hochsommer-Ware langfristig zu disponieren, um entsprechend mehr davon ab Lager oder mit kurzfristigen Lieferterminen zu kaufen. Dafür jedoch fehlt es auf Industrieseite immer noch an Infrastruktur. Alternativ oder flankierend kann der Handel durch eine strategische Aufwertung der Übergangszeit versuchen, mehr vom Wetter unabhängige Impulse zu setzen. Das mag nur in gewissen Grenzen und in urbanen Lagen eher als auf dem Land funktionieren; dennoch kann diese Strategie eine realistische Option sein. „Auch wenn wir mit unseren Filialen im Süden des Landes von dem frühen Wintereinbruch Anfang Dezember profitiert haben, hat der Übergang sicher generell an Bedeutung gewonnen“, sagt Friedrich Werdich, Schuhhaus Werdich, 37 Filialen, Laupheim. Die Saisonspitzen Hochsommer und tiefer Winter nicht weiter zu forcieren, steht auch in anderen Häusern zur Diskussion. „Wir stehen treu zu unseren Lieferanten“, sagt Hermann Sjut vom Schuhhaus Sjut, Meldorf, sechs Filialen, „dennoch muss der Anteil der warmen Stiefel nicht weiter ausgebaut werden, da die Tex Schuhe einen längeren Zeitraum haben“. Und auch für Horst Mengedoht,Schuhhaus Mengedoht, Lemgo, neun Filialen, wird Übergangsware „natürlich wichtiger, denn wir haben ja meist keinen richtigen Winter mehr“. Da es immer noch schwierig sei, Saisonware nachzukaufen, liege das volle Risiko stets beim Handel. „Daher müssen wir versuchen, den Weg der goldenen Mitte zu gehen“, so Mengedoht. Für Raimund Cordes, Schuhhaus Cordes in Herzebrock-Clarholz, drei Filialen, steht der Übergang schon lange im Fokus. „Die Übergangssaison ist für mich die Hauptsaison“, sagt Cordes. Um ihr Potenzial voll auszuschöpfen, müsse man diese Phasen spannungsreich gestalten und modisch aufladen.