Unter der Überschrift „Handel neu denken“ leitete HDE-Präsident Josef Sanktjohanser in den Kongress ein. Die derzeitigen Rahmenbedingungen bezeichnete er als intakt. „Das Konsumklima zeigt ein robustes Verbrauchervertrauen.“ Der private Konsum bleibe eine Stütze der Konjunktur. Für 2015 rechnet er mit leicht steigenden Konsumausgaben. Preisbereinigt bewege sich der Markt allerdings auf dem Niveau von 2005.
Der Handel unterliege einem „dramatischen Wandel“, so der Handelspräsident. Die Entwicklung des E-Commerce verändere die bekannten Strukturen stärker als das Aufkommen der Supermärkte und Discounter in der Vergangenheit. Demnach könnten 50.000 stationäre Standorte bis 2020 von der Handelslandschaft verschwinden. Treffen werde es vorwiegend kleinere und mittlere Unternehmen, die zudem auf die Unterstützung eines Verbundes verzichteten. „Um die machen wir uns die meisten Sorgen.“ Systemstarke Filialisten würden die Herausforderung der Digitalisierung meistern und wachsen.
Die Kernkompetenzen des Handels wie Beratung, Service, und Warenverfügbarkeit haben laut Sanktjohanser nichts an Aktualität verloren. Idealerweise entwickle der Einkauf eine „soziale Qualität“ und werde vom Kunden als Erlebnis wahrgenommen. Hinzu komme die Vernetzung der Kanäle. Denn: „Wer im Netz nicht stattfindet, den streichen Kunden von der Liste.“ Sein Appell daher: „Informieren Sie sich, was da abgeht. Es ist faszinierend.“ Der Handel ist wandlungsfähig, ist Sanktjohanser überzeugt. „Handel bleibt, aber anders“
Sanktjohanser beklagt einen schleichenden Frequenzrückgang und sieht die Versorgungsdichte in der Region gefährdet. Handel und Stadt müssten sich daher gemeinsam neu erfinden und die Innenstädte attraktiv halten. Dafür müssten Handel, Gastronomie und kulturelle Angebote vernetzt werden. „Eine Stadtentwicklungspolitik ohne Handel darf es nicht geben.“
Auf politischer Ebene fordert Sanktjohanser weniger Regulierung und einen stärkeren Fokus auf die Förderung von Wachstum statt auf Verteilungsfragen. Zudem spricht er sich für einen digitalen Binnenmarkt mit gleichen Rahmenbedingungen für alle Player aus.