Omnichannel, Multichannel, Pure Player – Handelsexperten diskutieren seit Jahren, wie sich die verschiedenen Kanäle unterscheiden und ergänzen. Einen interessiert dies aber überhaupt nicht: „Der Kunde kennt nur eine Handelswelt“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zum Einstieg in den deutschen Handelskongress. Der HDE versteht sich daher auch als Dachverband für alle Handelskanäle.
Der Handel befindet sich momentan in einer guten Situation: Mit einem Einzelhandelsumsatz von 470 Mrd. Euro erreicht die Branche Spitzenwerte beim Konsum. Gleichwohl gilt: „Wir müssen Handel neu denken. Die Digitalisierung hat den Handel verändert. Die Umsatzanteile verschieben sich.“
Auch der Blick in die Zukunft fällt schwer. Wie entwickelt sich die Konkurrenz? Genth erwähnte „amerikanische Konzepte ohne Profit“, die viel Geld in Algorithmen und Kundenmarketing investierten. Der Blick müsse zudem geweitet werden. „Vielleicht kennen Sie Ihren Wettbewerber von morgen noch gar nicht.“ Durch die Digitalisierung nehme die „Bedeutungshoheit des Handels an der Schnittstelle zum Kunden“ ab. Der Handel müsse aufpassen, dass er den Kontakt zu Kunden nicht verliert.
Der Handel erkennt vier Megatrends:
– Digitalisierung und Demographie heizen den Wettbewerb an. Die Frequenzen in den Städten sind rückläufig, der Online-Anteil wächst weiter. Knapp 10 Prozent der Läden (50.000 Geschäfte) werden verschwinden, nicht allein wegen Digitalisierung. Dadurch verändert sich die Versorgungsstruktur.
– Den zweiten Trend fasste Genth mit dem Begriff ’Freiheit‘ zusammen. Die Politik setze stärker auf Regulierung. Daher müsse der HDE die unternehmerische Freiheit verteidigen.
– Als dritten Trend nannte Genth einen Zuwachs an Verantwortung für die globale Lieferkette. Ein Beispiel sei das Textilbündnis. Genth: „Der Handel hat die Macht Einfluss zu nehmen. Das erwartet aber auch die Politik.“
– Vierter Trend: Der HDE setzt sich weiter für „gute Arbeit“ ein. Die Tarifbindung im Einzelhandel habe für mindestens drei Viertel der Mitarbeiter Gültigkeit, hob Genth hervor und widersprach anderslautenden Berichten in den Medien. Auch in diesem bereich spricht sich der HDE gegen eine zunehmende Regulierung und durch den Staat aus.
Damit der Handel die Chancen der Digitalisierung nutzen könne, benötige er politische Rahmenbedingungen u.a. in den Bereichen Netzneutralität und Datenschutz.