In den Niederlanden wurde das Angebot von den Schuhgeschäften bereits angenommen und eine symbiotische Zusammenarbeit habe sich etabliert. Regelmäßig fährt ein LKW von 95percent bei den Filialen der großen niederländischen Schuhhäuser wie Omoda (35 Standorte), Nelson (100 Standorte) und Schuurman (45 Standorte) vor und lädt die Mängelexemplare palettenweise ein. 95percent will die Händler damit für sich gewinnen, dass sie erst einmal alle Schuhe abkaufen. Die werden dann von den Schuhmachern geprüft. „Wir nehmen erst einmal alle Schuhe an und überprüfen dann, wie viele eine zweite Chance kriegen können. Wir tragen das Risiko“, verspricht Engelen. Im Schnitt sind das 50 bis 60% der Schuhe, der Rest wird an ein Reyclingunternehmen weitergegeben. Seit rund einem Jahr bietet 95percent seine Schuhe auch mit einem deutschen Online-Shop an. „Die Conversion-Rate ist in Deutschland immer noch nicht so hoch wie in den Niederlanden“, resümiert der Geschäftsführer den Start. Das liege daran, dass im deutschen Shop bisher noch ausschließlich Schuhe der niederländischen Partner angeboten werden. Die Kunden in den Niederlanden hätten nicht nur einen etwas anderen Geschmack: „Im Durchschnitt sind die Schuhe in Deutschland günstiger.“ Wenn also Schuhe aus den Niederlanden zum halben Preis verkauft werden, sparen die deutschen Verbraucher prozentual nicht so viel im Vergleich zum Kauf von Neuware.
Um sich in Deutschland so richtig durchzusetzen, braucht 95percent also auch deutsche Partner und sucht jetzt aktiv. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die deutschen Geschäfte einen großen Bedarf an dem Service haben könnten. Schließlich ist die Retourenquote in Deutschland im europäischen Vergleich besonders hoch. Die Hoffnung ist, dass die deutschen Geschäfte viele Schuhe haben, die sie loswerden möchten. „Normalerweise bekommen Läden für ihre Mängelexemplare von Sortierdienstleistern 1 Euro pro Kilo. Da können wir einen besseren Preis zahlen“, berichtet Engelen. Wie viel genau 95percent für die Schuhe bezahlt, wird individuell mit den Händlern besprochen. Wer an einer Zusammenarbeit interessiert ist, kann sich für eine Probelieferung melden. „Bisher ist es nach der Test-Lieferung noch immer zur Zusammenarbeit gekommen“, erzählt Engelen stolz. Damit das Geschäftsmodell funktioniert, ist 95percent auf große Mengen angewiesen, führt er aus: „Eine Zusammenarbeit lohnt sich dann, wenn das Schuhhaus mindestens über fünf, besser zehn Filialen verfügt. Erst dann ist es für beide Seiten interessant.“ Zurzeit gehen laut eigenen Angaben rund 100 Bestellungen pro Tag bei 95percent ein. 800 bis 1.000 Schuhe pro Woche werden restauriert, sodass der Bestand konstant bleibt. Die Retourenquote liegt bei 30 bis 40%.