Ihre Fusion mit Heinrich Dinkelacker hat in der Branche für Aufsehen gesorgt. Wie kam es zu dem Deal?
Die Gesellschafter von Heinrich Dinkelacker hatten Shoepassion seit längerem beobachtet. Schließlich nahm Norbert Lehmann Kontakt zu uns auf, da die Verantwortlichen nach einer langfristigen Lösung für die Marke Dinkelacker suchten. Aufgrund unserer digitalen Kompetenz sind wir für den Wandel in der Schuhbranche gut aufgestellt. Davon wird nun künftig auch Heinrich Dinkelacker profitieren.
Wie sehen Ihre Pläne für Dinkelacker aus?
Heinrich Dinkelacker bleibt in der bekannten Form bestehen. Es ist für uns eine große Ehre, die Geschichte dieser großartigen Marke weiter fortschreiben zu können. Daher halten wir selbstverständlich an der Produktion in Budapest fest. Die Handwerkskunst, für die Heinrich Dinkelacker wie kaum eine andere Marke steht, wird nicht angefasst. Allerdings wollen wir unsere digitale Kompetenz und unser breit aufgestelltes Management nutzen, um gerade diese Handwerkskunst besser und breiter zu kommunizieren.
Shoepassion ist 2010 als reiner Onlineshop gestartet. Mittlerweile betreiben Sie auch eigene Stores. Warum?
Es war anfangs niemals unser Plan, eigene Geschäfte zu eröffnen. Ich bin ein ’digital native’ durch und durch. Wenn mir jemand vor sieben Jahren gesagt hätte, dass ich eines Tages im stationären Handel aktiv sein werde, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Allerdings steht für uns der Kundenwille absolut im Mittelpunkt. Daher führen wir zu jedem Einkauf eine Befragung zu Verbesserungsvorschlägen durch. Und so wurde immer wieder der Wunsch nach Shoepassion-Stores geäußert. Hinzu kam, dass regelmäßig Kunden in unserem Büro in Berlin standen, die bei uns Schuhe anprobieren wollten. Darauf waren wir zunächst überhaupt nicht vorbereitet. Später haben wir dann Termine zur Anprobe vergeben – und waren permanent ausgebucht. Ein stationäres Geschäft war somit nur die logische Schlussfolgerung.
Wie bewerten Sie den aktuellen Stand der digitalen Transformation in der Schuhbranche?
Viele Jahre wollte man es in der Branche nicht wahrhaben, dass der Onlinehandel mit Schuhen funktioniert. Es ist allgemein bekannt, dass Otto Zalando in der Startphase hätte kaufen können – und es nicht getan hat. Heute wäre man in Hamburg wohl froh. Auch uns wurde schon oft der unternehmerische Tod prophezeit. Dabei halte ich es für schwierig, wenn der traditionelle Handel nur darauf hofft, dass das Neue scheitert. Das Gegenteil wird der Fall sein. Die Digitalisierung schreitet weiter voran.
Ist Shoepassion ein Vorbild für weitere Pure-Player? Rechnen Sie damit, dass auch andere Onlineunternehmen mittelfristig stationäre Geschäfte eröffnen werden?
Absolut. Wir sehen uns als Pionier. Ich kenne viele Gründer von E-Commerce-Unternehmen, die sich mit stationärer Expansion beschäftigen. Der klassische Handel wird sich noch wundern, wie viele Onliner in Zukunft eigene Geschäfte eröffnen werden.
Das vollständige Interview mit Tim Keding lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 5/2017.