Wie sich der Kinderschuhhersteller Richter neu aufgestellt hat
Mit einer kompakten Kollektion und Services für den Handel startet der Kinderschuhhersteller Richter in die neue Saison. Geschäftsführer Josef Renner erläutert, welche Weichen darüber hinaus gestellt wurden.
28.01.2026
Petra Steinke
2 Minuten
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2025 war für Josef Renner und sein Team ein Jahr des Umbaus. Nach der Insolvenz im November 2023 galt es, sich neu aufzustellen. Die vierte und letzte Insolvenzrate wurde im November 2025 bezahlt und das Sanierungsverfahren ist nun zu 100 % abgeschlossen. „Wir haben an vielen Stellschrauben gedreht, unsere Kosten optimiert und eine effiziente, kompakte Kollektion entwickelt. Wir haben in neue, attraktive Produkte investiert und das Barfußschuh-Thema ausgebaut. Und: Wir haben Einkaufspreise, Margen und Produktion wieder unter Kontrolle“, sagt Geschäftsführer Josef Renner. Die eigene Produktion wurde inzwischen eingestellt; die Produktionslinien wurden an ein anderes Unternehmen vermietet. Stattdessen konzentriert man sich am Fertigungsstandort in der Slowakei auf das Fulfillment, Qualitätssicherung sowie kleinere Reparaturen und Nachbesserungen. Die Kompetenz im Hinblick auf Design und Produktentwicklung ist weiterhin am Standort in Pasching nahe Linz beheimatet. Hier arbeiten 15 Personen zusammen mit Josef Renner und dem zweiten Geschäftsführer Mario Bell an der Zukunft – mit kurzen Wegen und flachen Hierarchien. Allerdings ist Josef Renner auch klar, dass noch einige Herausforderungen zu bewältigen sind. „Wir haben im vergangenen Jahr unseren Plan nicht erfüllt.“ Das habe an der schwierigen Marktsituation gelegen und am geänderten Konsumverhalten. Und auch Richter-spezifische Hürden kamen dazu – eine späte Auslieferung bedingt durch die Insolvenz und in der Folge ein gewisser Vertrauensverlust bei einigen Händlern. Das wirkte sich in Summe auf den Umsatz aus, der nicht so stark stieg wie erhofft – „und das, obwohl wir so umtriebig waren und so viel versucht haben“. Das alles will der Manager nun hinter sich lassen: neues Jahr, neue Chancen. Mit der neuen Saison hat das Unternehmen weitere Anpassungen und Optimierungen vorgenommen. In den Benelux-Märkten sowie in der Schweiz will man sich auf die Key Accounts konzentrieren. Diese werden durch Josef Renner persönlich betreut. Auf dem deutschen Markt und in Österreich sind die Richter-Kollektionen weiterhin in den bestehenden Showrooms zu sehen; dort sind die Vertreter und Agenten für den Fachhandel da. Einige Märkte haben sich laut Josef Renner sehr gut entwickelt, darunter Ungarn, die Slowakei und Tschechien. „Mit dieser Situation sind wir sehr zufrieden“, so Renner. 2026 plane man, auch in Polen Fuß zu fassen.
Modelle von Richter (Foto: Redaktion)
Modelle von Richter (Foto: Redaktion)
Modelle von Richter (Foto: Redaktion)
Modelle von Richter (Foto: Redaktion)
Modelle von Richter (Foto: Redaktion)
Modelle von Richter (Foto: Redaktion)
Kollektion deutlich verkleinert
Die Kollektion der Kinderschuhmarke wurde laut dem Geschäftsführer „drastisch verkleinert“. Waren es im vergangenen Jahr noch 275 SKUs, sind es nun für H/W 2026/27 um die 160. Auch wurde das Größenspektrum angepasst und bewegt sich nun von Größe 18 bis 35; einzelne Modelle gibt es noch in den Größen 41 und 42. Die Anteiligkeiten von Mädchen- und Jungenschuhen wurden angeglichen. Lag der Anteil von Mädchenschuhen in früheren Jahren bei um die 70 %, sind es nun laut Renner eher um die 55 %. Im Hinblick auf die Umsetzung von Trends sieht Renner die Marke weiterhin am Puls der Zeit: mit stimmigen Farbkombinationen, Materialien und Motiven, mit Sympatex-Membran und Drehverschluss. Sieben neue Gruppen seien entwickelt worden, darunter Barfuß-Hausschuhe aus Naturmaterialien sowie Barfuß-Snowboots. Die Preislagen bewegen sich im Schwerpunkt bei 60 bis 90 Euro. Der Großteil des Angebots liegt unter 100 Euro – bis auf ganz wenige Ausnahmen. Dem Geschäftsführer ist wichtig, dass das Angebot seines Unternehmens zur Marktlage passt. „Das bedeutet auch, dass wir uns mit dem Thema Marge befasst haben.“ Zur H/W-Saison 2025 sind 25 % der Kollektion mit 140er-Marge bzw. 2,4er-Aufschlag angeboten worden. „Zu F/S 2026 haben wir 50 % der Kollektion mit einer höheren Marge versehen.“ Mit der neuen Vorordersaison H/W 26/27 bietet Richter eine Mindestmarge von 150 % auf alle Straßenschuhe: „Das ist unser klares Statement für den Handel. Wenn man sich die Einkaufspreise anschaut, ergibt sich ein zusätzlicher Rabatt von 8 %. Das haben wir sehr laut in die Branche kommuniziert“ – mit Aussendungen, Newslettern und Werbemotiven. Auch ein Bestseller-Programm wurde mit dieser Marge aufgelegt. Hier könne sich ein Aufschlag von bis zu 2,85 ergeben. Aus Sicht von Josef Renner sind die Weichen für eine erfolgreiche H/W-Saison gestellt. „Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Kollektion, dem Margenthema und Marketingaktionen ein gutes Paket geschnürt haben“, sagt der Richter-Geschäftsführer. Wenn es nach ihm geht, werden aus den aktuell 350 Kunden in den kommenden Saisons deutlich mehr.