In seiner aktuellen Studie ’Retail, Disrupted – Pressure and Potential in the Digital Age‘ kommt Euler Hermes zu dem Schluss, dass der Einzelhandel weltweit unter Preiskriegen leide und unter hohem Modernisierungsdruck stünde. Nach Ansicht von Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe hätten Preiskriege die finanzielle Lage vieler traditioneller Einzelhändler extrem strapaziert. „Viele haben den Digitalisierungsaspekt unterschätzt und hinken nun den Kundenerwartungen hinterher.“ Als Folge sei die Profitabilität weltweit von 8% im Jahr 2011 auf 5,7% im vergangenen Jahr gesunken. Große Einzelhändler mit einem Umsatz von mehr als 10 Mio. US-Dollar hätten 2016 mit einem Insolvenzanstieg von weltweit mehr als 66% einen stolzen Preis im Zuge dieser Entwicklung bezahlt.
Grenzenlose Shopping-Erfahrung ist die Zukunft
Um der drohenden finanziellen Schieflage vorzubeugen, so Euler Hermes weiter, seien viele Einzelhandelsunternehmen vergangenes Jahr auf Einkaufstour gegangen. Rund 2 Bill. US-Dollar hätten Einzelhändler 2016 in Technologie-Firmen investiert. Das entspricht einem Vielfachen der Summe von 148 Mrd. USD, die 2014 für spezielle Technik-Expertise ausgegeben wurde.
Maxime Lemerle, Leiter der Sektor- und Insolvenzanalyse bei Euler Hermes, erläutert die Situation wie folgt: „Der Einzelhandel steht vor einem entscheidenden Umbruch. Viele alteingesessene Anbieter müssen ihr gesamtes Geschäftsmodell überdenken.“ Während es beachtliche regionale und lokale Unterschiede gibt, haben die Experten von Euler Hermes übergreifend drei zentrale Herausforderungen für den Einzelhandel in den kommenden Jahren identifiziert:
- Ein All-Kanal-Vertrieb, der es Kunden jederzeit ermöglicht, grenzenlos online, telefonisch oder in einen physischen Laden einzukaufen.
- Ein Internet-Auftritt, der aufgrund der signifikanten Kosten eine Hürde für Einzelhändler ohne Wachstumshebel sein kann, um gleichzeitig den Preisdruck auszugleichen.
- Die Gestaltung einer ’mobilen Kundenreise‘ durch die Digitalisierung des Angebots und die Nutzung des Internets der Dinge (Internet of Things).
„Es gibt nur die eine Wahl für Einzelhandelsunternehmen, sich anzupassen“, meint Lemerle. „Die Alternative ist die Schließung.“