Wie bewerten Sie die Lage im deutschen Schuhhandel?
Der Einzelhandel wird aktuell von der zunehmenden Verzahnung von Online- und stationärem Handel geprägt. Dabei ist die Konsumlaune generell gut. Entscheidend für den unternehmerischen Erfolg ist aus unserer Sicht eine tragfähige Multichannel-Strategie. Für Schuhhändler mit ein oder zwei Filialen ist dies sicher nicht erforderlich, für größere Unternehmen gehört Multichannel mittlerweile zur Pflicht. Allerdings erfordert dies hohe Investitionen, z.B. in den Bereich Logistik.
In der Branche findet ein Strukturwandel statt. Welche Faktoren bestimmen den Veränderungsprozess?
Ausgelöst wird der Strukturwandel durch das veränderte Konsumverhalten. Die Bedeutung des Onlinehandels ist bereits groß – und wird weiter zunehmen. Darauf müssen sich Handel und Hersteller einstellen, eben durch einen Multichannel-Ansatz. Neben der Digitalisierung schätzen wir das Thema ’Saisonunabhängigkeit‘ als zentral ein. Wie wir in den vergangenen Wochen erlebt haben, ist das Wetter unkalkulierbar. Daher sollte es das Ziel des Handels sein, sich von den ehemals festgeschriebenen Saisonrhythmen zu lösen und sich verstärkt an den Kundenbedürfnissen zu orientieren. Das erfordert selbstverständlich auch Lösungen von Seiten der Industrie. Eine Herausforderung stellt zudem das Thema ’Preistransparenz‘ dar.
Von welcher künftigen Entwicklung gehen Sie aus?
Insgesamt beobachten wir, dass die Bonität im textilen Einzelhandel im Durchschnitt abnimmt. Wir rechnen mit weiteren Insolvenzen und einer Fortsetzung der Marktbereinigung. Diese findet im Schuhhandel allerdings häufig durch Geschäftsaufgaben statt. Grundsätzlich pauschalisieren wir jedoch keine Branche, sondern setzen auf eine individuelle Betrachtung. Schließlich gibt es im Textil- und Schuhhandel auch viele Unternehmen, die sehr gut aufgestellt sind.