„Erstmal ist es eine gute Nachricht, dass offenbar ein Investor gefunden wurde, der möglichst viele Galeria-Karstadt-Kaufhof-Standorte erhalten will“, erklärt der Vorsitzende des Städtetages NRW, Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen, zum nun beschlossenen Deal.
Silke Zimmer, Mitglied im Bundesvorstand der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), stellt klare Forderungen: „Wir begrüßen, dass offensichtlich ein finanzstarker Investor gefunden wurde, der Galeria als Ganzes erhalten will und über Kompetenz im Einzelhandel verfügt, wenngleich unsere Erfahrungen in der Vergangenheit durchaus zwiespältig waren. Wir erwarten deshalb, dass der neue Eigentümer in das Unternehmen investiert, die Standorte erhält und für die Beschäftigten langfristig die Arbeitsplätze sichert.“ Der neue Eigentümer sollte gemeinsam mit den Beschäftigten ein modernes Zukunftskonzept entwickeln und auf dem Weg bringen, das die Stärke der Warenhäuser ausspiele: „Ein breites Sortiment gepaart mit guter Beratung. Vorschläge hierzu haben die Beschäftigten schon erarbeitetet, sie sind bislang nicht aufgegriffen worden. Damit werden Chancen vertan. Wer fortlaufend nur auf Kostensenkung durch Filialschließungen, Personalabbau und untertarifliche Zahlung setzt, senkt die Attraktivität der Warenhäuser für die Kundinnen und Kunden und beeinträchtig die Attraktivität der Innenstädte.“
Handelsexperte Jörg Funder (Universität Worms) rechnet mit einer erheblichen Reduzierung der Standorte: „Ich halte 20 Filialen für eine realistische Zahl. Alles, was darüber hinausgeht, ist ein Zugeständnis an den Insolvenzverwalter, damit man den Zuschlag bekommt und die Häuser für eine gewisse Zeit weiterbetreibt“, sagte der Professor für Unternehmensführung im Handel gegenüber der Zeitschrift „Stern“. „Warum sollte man in einer Mittelstadt mit 100.000 und weniger Einwohnern ein Warenhaus betreiben? Ich glaube, das wird zunehmend schwierig.“
Auch der Handelsexperte Prof. Gerrit Heinemann (Hochschule Niederrhein) geht von Schließungen aus – die wiederum das Konzept auch nachteilig beeinflussen würden. Auf schuhkurier-Anfrage erklärt er: „Würden nach der Übernahme 50% der Häuser geschlossen werden, liegt der echte operative Warenumsatz dann vielleicht noch bei 1,5 Mrd. Euro. Damit hat Galeria eine unterkritische Größe erreicht.“